Alle 14 Geiseln frei

19. August 2003, 16:59
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Deutsches Außenamt und Mali bestätigen Befreiung - Gruppe soll heute ausgeflogen werden

Bamako - Alle 14 europäischen Geiseln sind nach Angaben der malischen Regierung am Montag in der Sahara freigekommen und befinden sich in Obhut der malischen Behörden. Ein Sprecher des Präsidentenamtes sagte Reuters am Montag in der Hauptstadt Bamako: "Wir bestätigen offiziell, dass sie freigelassen worden sind, alle Geiseln." Die Geiseln seien am Montagabend freigelassen worden, sagte Seydou Sissouma.

Es gehe allen Geiseln gut, sagte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, am Montagabend vor Journalisten in Mali. Die Geiseln seien derzeit mit einem Geländewagen unterwegs. Sie würden dann am Dienstagnachmittag mit der Transall in Bamako eintreffen.

Deutsche Regierung bestätigt Freilassung

Die deutsche Regierung hat die Freilassung der Geiseln bestätigt. Der malische Präsident Amadou Toumani Toure habe gegenüber dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, versichert, dass alle 14 Geiseln nunmehr in malischer Hand seien, sagte ein Sprecher des Berliner Auswärtigen Amtes am Montagabend in Berlin.

Lösegeld

Außenminister Joschka Fischer sagte in Berlin, die Bemühungen um die Freilassung seien von Beginn an "extrem schwierig" gewesen, äußerte jedoch Dankbarkeit für die Hilfen der Regierungen Algeriens und Malis. Der Minister unterstrich zugleich die grundsätzliche Haltung der Bundesregierung, keine Lösegelder zu bezahlen. ZDF-Informationen zufolge hat ein malischer Unterhändler am Samstag Lösegeld übergeben. Dem Vernehmen nach sei das Geld nicht von der Bundesregierung gekommen; die Summe sei deutlich niedriger als die in Medienberichten genannten 65 Millionen Euro.

Am Sonntag war die Übergabe nach übereinstimmenden Berichten von ARD und ZDF dennoch aus logistischen Gründen gescheitert. Die Entführten seien vermutlich wegen der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr rechtzeitig in den Bergen im Norden Malis zusammengeführt worden. Die Geiseln sind laut ZDF zwar nach sechs Monaten Wüste sehr erschöpft und geschwächt, aber keiner von ihnen sei lebensfährlich erkrankt. Bei einem der Touristen habe sich allerdings als Folge des Stresses eine Diabetes-Erkrankung entwickelt.

Airbus steht in Bamako bereit

Der Airbus der Bundeswehr, der in Bamako für den Rückflug der Geiseln nach Köln bereit stand, wurde am Nachmittag mit Verpflegung für die Fluggäste ausgerüstet. "Wir befinden uns in einer wichtigen Endphase", sagte Bela Anda, der Sprecher der Bundesregierung, in Berlin.

Tod durch Hitzschlag

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am 22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, starb am 29. Juni, wahrscheinlich an einem Hitzschlag. (APA/dpa/Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2003)

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    Ein deutsches Militärflugzeug wartet am Flughafen in Bamako auf die Geiseln

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