Die Gewinne steigen ...

31. August 2003, 19:12
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... doch US-Manager trauen dem Aufschwung nicht: Sie verkaufen Aktien ihrer eigenen Unternehmen - mit Infografik

Frankfurt/New York - Die größten dreißig börsennotierten europäischen Unternehmen wiesen für das zweite Quartal 2003 einen Gewinn von insgesamt 29 Mrd. Euro aus - ein Plus von 71 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Der Rückenwind kam vor allem von Sparmaßnahmen - insbesondere bei Finanzdienstleistern wie Allianz und ING Groep - und steigenden Aktienkursen. Der Umsatz der Dow-Jones-Stoxx-50-Mitglieder bröckelte drei Prozent auf 365 Mrd. Euro, weil die Dollar-Schwäche Großunternehmen wie Siemens belastet hat. Bei der Deutschen Telekom AG hielt der Aufwärtstrend an, Europas größte Telekomgesellschaft präsentierte im zweiten Quartal den zweiten Gewinn in Folge.

Comeback

Vorstandschef Kai-Uwe Ricke senkte die Kosten und baute den Schuldenberg ab. Allianz, Europas größter Versicherungskonzern, kam in die Gewinnzone zurück, angeführt von steigenden Prämieneinnahmen und Sparmaßnahmen. ING, der größte niederländische Finanzdienstleister, hat den Quartalsgewinn um neun Prozent angekurbelt, nachdem die Ausgaben gekappt wurden und der Aufschwung an der Börse die Investmentverluste reduzierte. "Die Unternehmen haben ihre Kosten so weit gesenkt, dass wir kein Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent brauchen", um die Ertragslage zu verbessern, erklärt Eric Turjeman, Leiter der Aktienanalyse bei SG Asset Management in Paris.

Der Stoxx-50-Index legte im zweiten Quartal 14 Prozent zu - der größte prozentuale Anstieg seit 1997. Im Vorjahresquartal war der Leitindex noch um 17 Prozent gefallen.

Deutliche Anstiege

Auch in den USA stiegen die Quartalsgewinne deutlich an, was sich ebenfalls in steigenden Kursen niederschlug. Seit Jahresbeginn hat der Chiphersteller Intel rund 61 Prozent zugelegt; der Baumaschinenkonzern Caterpillar gewann 55 Prozent; und McDonald's-Aktien sind derzeit 43 Prozent teurer als zu Jahresbeginn (siehe Grafik).

Dennoch trauen die meisten US-Spitzenmanager dem Aufschwung noch keine Nachhaltigkeit zu. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge nützen Vorstände und leitende Angestellte derzeit die gute Kurslage und verkaufen Aktien ihrer eigenen Unternehmen in großem Stil. Auf einen Dollar Kaufaufträge kommen 32 Dollar Verkaufsaufträge, schreibt die Zeitung. Dies sei ein sehr beunruhigendes Zeichen, meinen Experten: Immerhin besitzen die Manager - was ihre eigenen Unternehmen betrifft - doch zumeist Informationen, die Außenstehenden oft nur schwer zugänglich sind. (Bloomberg, mimo/DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.8.2003)

  • Tops & Flops in Europa und den USA.
    grafik: der standard

    Tops & Flops in Europa und den USA.

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