Flexible Billigverträge boomen

18. August 2003, 20:10
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Jede/r fünfte geringfügig Beschäftigte von Armut bedroht

Wien - "Geringfügige Beschäftigungen boomen, weil sie den Arbeitgebern hohe Arbeitsflexibilität ermöglichen", sagt Elisabeth Rolzhauser vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Zusammen mit anderen atypischen Arbeitsformen, etwa per Werkvertrag oder freiem Dienstvertrag, habe sich ihre Zahl "seit dem Jahr 1998 vervierfacht", liest die Gewerkschafterin aus der Statistik vor.

Im Unterschied zu anderen "Atypischen" seien geringfügig Beschäftigte jedoch stark von Armut bedroht. In Zahlen: Jede/r fünfte Betroffene, während es im ArbeitnehmerInnendurchschnitt etwa jede/r zehnte bis zwölfte sei, zitiert Rolzhauser aus einer Studie im Auftrag des Arbeits- und Wirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2002. Das hänge vor allem mit der Verdienstobergrenze bei Geringfügigen von 309,38 Euro zusammen, und mit dem damit in Zusammenhang stehenden Zwang, mehrere solche Jobs auszuüben, um über die Runden zu kommen. Ein Phänomen, das zum Beispiel in den USA unter der Bezeichnung "Working poor" schon massenhafte Züge angenommen hat.

In Österreich, so Rolzhauser, seien die Wenigverdiener in der Mehrheit Frauen: Laut Ministeriumsstudie 72 Prozent. Ihre Arbeitsbereiche konzentrieren sich auf Reinigungs- und Pflegedienste sowie den Handel. Dort hat auch der bisher Aufsehen erregendste Arbeitskonflikt rund um geringfügig Beschäftigte stattgefunden: Die Arbeiterkammer gewann eine Klage gegen "Arbeit auf Abruf" vor dem Obersten Gerichtshof gegen den Textilkonzern Peek und Cloppenburg. (bri/DER STANDARD, Printausgabe 19.08.2003)

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