Vierzehn zu sechsundachzig

19. August 2003, 00:00
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Die Kleine Zeitung wählt die "größten Steirer" und vergisst nicht nur im Titel auf die Frauen - eine Zitrone für die steirische Tageszeitung

Graz - Seit letzter Woche scheint es wieder offensichtlich: Frauen haben sich keinen Platz in der Geschichte und dem kollektiven Gedächnis verdient.

Die Kleine Zeitung rief nämlich in ihrer Ausgabe vom 15. August dazu auf, "die größten Steirer" zu wählen. Wer jetzt glaubt, dass es sich hierbei nur um die übliche Ignoranz gegenüber geschlechtsneutraler Schreibweise handelt, hat weit gefehlt. In den von der Kleinen Zeitung vorgeschlagenen 100 Persönlichkeiten der (offiziellen) steirischen Geschichte befinden sich gerade mal 14 Frauen.

Und das, obwohl eben erst im Rahmen der Kulturhauptstadt Graz 23 Gedenktafeln für wichtige Frauen in der Stadt installiert wurden. Da hätte die Kleine Zeitung gar nicht lang recherchieren brauchen, alles kein Aufwand. Für ganz hektische Redaktionszeiten hätte auch ein Blick ins Online-Lexikon von Woment!gereicht und schon wären ganz viele wichtige und erfolgreiche Frauen für die Wahl zur Verfügung gestanden.

Wieso schaffen es dann aber Heimatdichter mit einer gewissen Nähe zum nationalsozialistischen Regime wie Hans Kloepfer in die Liste, die Widerstandskämpferin Maria Cäsar jedoch nicht?

Und wer jetzt meint, das könne nur in der Provinz passieren, täuscht sich da auch ganz gewaltig. Die Kleine Zeitung hat gute Gesellschaft bekommen. Auch der ZDF ist auf der Suche nach "den Größten". Deutschen, versteht sich. Und auch der ZDF schafft es kaum, Frauen in ihre Liste aufzunehmen. Von 300 vorgeschlagenen sind nur 35 Frauen, darunter Renner wie zum Beispiel "Sissi" ...

"Wieso?" fragt journalistin/historikerin sich da, kann so etwas noch immer passieren. Jetzt servieren wir Euch die lang ignorierten Frauen ja schon auf dem Silbertablett. Und noch immer soll die Geschichte ohne uns geschrieben werden?

(e_mu)

19. August 2003
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