"Kräftig die Glocke geläutet"

21. August 2003, 13:00
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Die im Mai befreiten Geiseln aus Österreich organisierten Wallfahrt

Salzburg – Die meisten der österreichischen Sahara-Geiseln, die Mitte Mai vom algerischen Militär freigeschossen worden waren, erfuhren von den jüngsten Entwicklungen in Mali kurz nach einer Wallfahrt zur Andachtskapelle des Heiligen Wolfgang bei St. Gilgen im Salzburger Flachgau.

"Wir haben eine Gedenkminute eingelegt und auch kräftig die Glocke geläutet", berichtete Monika Bleckmann, deren Gatte Ingo sich unter den zehn entführten Salzburgern befunden hatte. Denn nach dem Volksmund heiße es: "Wer es fertig bringt, die Glocke dreimal anzuschlagen, dessen geheimer Wunsch wird erfüllt."

Bleckmanns organisierten Geiseltreffen

Familie Bleckmann hatte das erste große "Geiseltreffen" organisiert. Ihrer Einladung waren alle österreichischen Exgeiseln außer dem Tiroler Roland Mayr und den beiden Salzburgern Gerhard Wintersteller und Johann Ruppnig, der verletzt war, gefolgt. Weiters kamen einige der deutschen Geiseln, die zusammen mit den Österreichern festgehalten worden waren, sowie Verwandte jener deutschen und Schweizer Touristen, die bis zuletzt in der Gefangenschaft der Entführer waren.

Erscheinungstag

Wie berichtet, war die erste Gruppe noch in Algerien vom Militär befreit worden. Bei der Erstürmung des Versteckes in der Sahara waren mehrere Entführer erschossen worden. Für Monika Bleckmann hat das Datum dieser ersten Befreiungsaktion im Mai eine besondere Bedeutung: "Das war der Erscheinungstag von Fatima." Am 13. Mai 1917 soll in dem kleinen portugiesischen Dorf drei Kindern die Mutter Gottes erschienen sein.

Exgeisel Roland Mayr sagte im ORF-Hörfunk zum Ende des Geiseldramas: "Es ist ein Aufatmen, auch wenn wir die andere Gruppe nicht direkt gekannt haben. Es hat sich aber eine Beziehung ergeben, wir haben Gegenstände von ihnen gesehen, und die Entführer haben über sie gesprochen."

Er sei überzeugt, dass Verhandlungen mit den Entführern erst in Mali möglich gewesen seien. "Gespräche mit der algerischen Regierung haben die Entführer abgelehnt", so Mayr. Dass es nur um Lösegeld gegangen sei, könne er sich nicht vorstellen, die Entführer müssten ja damit rechnen, dass sie nun "gejagt" werden. (APA, moe, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

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