Das papierene Glück der Dichterliebe

19. August 2003, 00:38
posten

Schnitzlers "Eine Liebe" im Thalhof in Reichenau an der Rax

"Nach Kaiserbrunn, auf eine Jaus'n" - die Unternehmungslust der edlen Thalhofwirtin Olga Waissnix endete im moralisch zerwühlten Jahrhundertausgang stets weit vor der Grenze ihrer Fantasie. Aus Verbundenheit zum Arzt und damals erst aufstrebenden Dichter Arthur Schnitzler floss - kombiniert mit Tränen - viel Tinte:

Mehr als 300 Briefe, die die Unmöglichkeit eines Zusammenseins verhandeln, verkehrten zwischen der Hauptstadt und dem Kurort. Sonst verkehrte wenig. Helga David hat daraus Theater gemacht und den Briefwechsel in Szenen gesetzt. Am Originalschauplatz, im Ballsaal des Thalhofes, bezirzt Christian Nisslmüller als Schnitzler seine standhafte Dame aufs Naturverbundenste: "Seien S' ka Gletscher!".

Eine Liebe, so der Titel, läuft auf Sparflamme und wie im Volksschulturnsaal ab. Das bemühte, aber letztlich aufgesetzte Spiel ist den Zwischentönen dieser Texte nicht gewachsen. Die älplerisch angehauchte Waissnix der Gabriela Hütter reißt zwar die Augen auf, um den Blick nach Wien frei zu kriegen. Doch: nur Spielnebel. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

Thalhof in Reichenau an der Rax
02662/430 06
20., 21., 29. 8.
19.30 Uhr
  • Artikelbild
    foto: theater/christine de grancy
Share if you care.