Rebellenchef als gefragter Vermittler

21. August 2003, 13:00
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Tuareg-Führer Ghali verhandelte erfolgreich

Bamako – Im Bemühen um die Freilassung der Sahara-Geiseln vertrauten die Regierungen in Bamako und Berlin vor allem auf die Geschicke eines Mannes. Der hoch angesehene Tuareg-Führer Iyad Ag Ghali verhandelte im Grenzgebiet zu Algerien mit den islamistischen Entführern. Mit viel Geduld und einer unübertroffenen Kenntnis seiner wüstenreichen Heimatregion war der einstige Rebellenführer bestens gerüstet für die schwierigen Gespräche.

Schwierige Verhandlungen waren für den 45-jährigen Tuareg-Führer nichts Neues: 1991 schloss er mit der damaligen malischen Regierung ein Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung der ein Jahr zuvor von ihm selbst geführten Rebellion. "Unsere Region wird vernachlässigt und aufgegeben, das ist nicht normal", hatte er zuvor den Aufstand seines in bitterer Armut lebenden Volkes gegen die Hunderte Kilometer entfernten Verantwortlichen in Bamako begründet. Überwiegend als Nomaden kämpfen die Tuareg um ihr Überleben in der Wüste. Die drei abgelegenen Regionen Kidal, Timbuktu und Gao im Norden des Landes machen mehr als die Hälfte des Staatsgebiets aus.

"Löwe der Wüste"

Die Wut über das Vergessensein machte den Spross einer Nomadenfamilie zum Kämpfer und brachte ihm den Spitznamen "Löwe der Wüste" ein. Er kämpfe "im Namen des Leidens" seines Volkes, sagte Ag Ghali, Chef der "Volksbewegung von Azaouad" (Mouvement populaire de l'Azaouad, MPA).

1996 wurde das fünf Jahre zuvor unter algerischer Vermittlung ausgehandelte Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung mit dem Vertrag von Timbuktu festgeschrieben. Die Tuareg gaben ihre Waffen ab, welche die damaligen Präsidenten Malis und Ghanas, Alpha Oumar Konare und Jerry Rawlings, feierlich verbrannten. Seitdem habe Ag Ghali "keinen einzigen Schuss mehr abgefeuert", betont der malische Vizeparlamentspräsident Assarid Ag Imbarcouane. Die Botschaft des Friedens trug der Tuareg-Chef dann weiter: Erfolgreich hinderte er Rebellengruppen an einer Wiederaufnahme des Kampfes.

Aura des Weisen

Äußerlich unterscheidet ihn nicht viel von anderen Tuaregs: Ein langes, weites Gewand und die typische Kopfbedeckung, die als Schutz gegen Sand und Sonne fast das gesamte Gesicht verdeckt, trägt er wie die meisten seiner Stammesgenossen. Der Bart, der unter dem Schleier hervorschaut, verstärkt die Aura des Weisen. (Serge Daniel, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

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