Das andere Gesicht Kaliforniens

28. August 2003, 10:39
4 Postings

Cruz Miguel Bustamante, der "kleine Mann" aus dem Valley, ist Schwarzeneggers stärkster Konkurrent

Die beiden Männer stehen für den einen amerikanischen Traum. Und sie stehen für die vielen Gesichter Kaliforniens: Da ist einmal Arnold Schwarzenegger, der populäre Filmstar mit schicker Villa in Pacific Palisades, der Selfmade-Millionär mit Gattin aus einflussreicher Familie, der steirische Parvenü, der es zum Liebling des wetterwendisch veranlagten Establishments von Glamour-LA bis Washington gebracht hat. Er ist der, der eine Gouverneurswahl fast schon naturgemäß so spielend terminieren müsste wie seine Feinde auf der Leinwand.

Und da ist Cruz Miguel Bustamante, der "kleine Mann" aus dem Valley, dem belächelten Refugium der kalifornischen Underdogs. Der Sohn mexikanischer Einwanderer, der Fleischhauerlehrling, der ehemalige Lokalpolitiker, der durch Fleiß, Mühe und Ellenbogeneinsatz Lieutenant Governor in Kalifornien geworden ist. Erstmals nach 120 Jahren hat nun wieder ein Latino eine realistische Chance, es auf den Gouverneurssitz in Sacramento zu schaffen. Die jüngsten Umfragen geben dem Vizegouverneur drei Prozentpunkte Vorsprung auf Schwarzenegger (25 zu 22 Prozent Zustimmung).

Bustamante (50) wuchs als Ältestes von sechs Geschwistern in den 50er-Jahren unter Landarbeitern im Fresno County auf. Statt einer Karriere im Fleischergewerbe konnte er dann doch einen Studienplatz ergattern, ging als Praktikant eines Kongressabgeordneten nach Washington und durchmaß dann die politische Laufbahn vom kalifornischen Abgeordneten zum "Speaker" seiner Fraktion bis zum stellvertretenden Gouverneur.

Dass er jetzt in Umfragen führt, hat nicht nur mit den traditionell demokratisch gesinnten Kaliforniern und vor allem Hispanics zu tun. Im Gegensatz zu Gray Davis billigen ihm seine Landsleute auch Tatkraft zu - bei seiner jüngsten Wiederwahl Ende 2002 erhielt er mehr Stimmen als der Gouverneur.

Bustamante setzte sich in seiner langen Karriere vor allem für bildungspolitische Anliegen ein. Auch als Kämpfer gegen Maßnahmen, die illegalen Einwanderern (also vor allem Latinos) den Zugang zu öffentlichen Leistungen verweigerten, hat er sich hervorgetan. Gegen ein entsprechendes Gesetz, die so genannte Proposition 187, hat er Mitte der 90er-Jahre gestimmt. Sein Widersacher Schwarzenegger war dafür.

Das könnte nun ein Grund dafür sein, dass "Arnie" trotz seiner PR-Übermacht mit dem Wadlbeißer aus dem Valley zu kämpfen hat. 30 Prozent der Kalifornier sind Latinos, nur 2,5 Millionen davon allerdings sind in die Wählerlisten eingetragen. Das könnte Schwarzenegger helfen, wie der Umstand, dass Bustamante sich schwer tut, 15 Mio. Dollar für eine Wahlkampagne zusammenzubringen. Die Gesichter Kaliforniens, scheint es, lachen eben nicht immer.(Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das andere Gesicht Kaliforniens: Cruz Miguel Bustamante.

Share if you care.