Die Liechtensteiner regeln ihre Erbfolge

20. August 2003, 13:15
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Der Fürst tritt kürzer, Prinz Alois übernimmt

Vaduz - Fürst Hans-Adam II., Herrscher über die alpine Kleinmonarchie Liechtenstein, zieht sich aus den operativen Staatsgeschäften zurück. In einem Jahr, am 15. August 2004, wird der 35-jährige Erbprinz Alois zum Stellvertreter seines Vaters, der aber weiter Regent des finanzkräftigen Fürstentums bleibt.

Der 15. August, Liechtensteins Staatsfeiertag, ist nicht nur feuchtfröhliches Volksfest, sondern auch der Tag fürstlicher Ankündigungen. Während das Volk in den letzten Jahre gespannt auf Ausritte des Monarchen gegen die Regierung wartete, beschäftigte die Liechtensteiner heuer nur noch die Frage: "Geht er, oder geht er nicht?"

Überraschend kam die Ankündigung des Rückzugs - "Der Erbprinz und ich haben beschlossen, dass die Übergabe der Regierungsgeschäfte in einem Jahr beim nächsten Staatsfeiertag erfolgen soll" - freilich nicht. Hans-Adam, der den jahrelangen Streit um eine neue Verfassung im März durch Volksabstimmung gewann, hatte mehrmals angekündigt, sich nach Klärung der Verfassungsfrage aus der liechtensteinischen Politik zurückziehen zu wollen. Der 58-jährige Wirtschaftswissenschafter will sich künftig mehr um die Vermögensverwaltung und seine Hobbys kümmern.

Eine der reichsten Familien

Das Fürstenhaus zählt mit Banken, Agroindustrie, Kunst- und Immobilienbesitz zu den reichsten Familien der Welt. Hans-Adam II. hatte 1984 die Regierungsgeschäfte von seinem Vater Franz Josef II. übernommen, fünf Jahre später wurde er nach dessen Tod auch Regent.

Der Erbprinz könnte wieder Ruhe ins Land bringen, hoffen die Liechtensteiner auf einen unpolitischen Fürsten. Einen jovialen Landesvater wie Franz Josef II., genannt "Felsensepp" (weil im Schloss hoch über Vaduz daheim), hätten sie gerne wieder. Alois könnte diese Erwartungen "durch seine ruhige Art" erfüllen, meinen die einen. Dem Thronfolger fehle es an Konturen, kritisieren die anderen und befürchten die weitere Einflussnahme des Fürsten.

Alois Philipp Maria, Magister der Rechtswissenschaften mit britischer Offiziersausbildung und mit 35 Jahren bereits vierfacher Vater, lieferte sein Gesellenstück, als er gemeinsam mit seinem Vater die Volksabstimmung über die Verfassung initiierte. Was der Erbprinz als Staatsoberhaupt vor hat, ist noch ungewiss. Festgelegt hat er sich einzig in der Frage der europäischen Integration. Eine EU-Mitgliedschaft sei für Liechtenstein nicht "größenverträglich". (DER STANDARD, Print, 19.08.2003)

Jutta Berger aus Vaduz
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