Schenz: Voest würde Rückritt verkraften

19. August 2003, 17:35
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Kapitalmarkt hätte Rücktrittsangebot Struzls schon vor Aufsichtsratssitzung erwartet

Alpbach - "Verständnis" für einen Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden der voestalpine AG, Franz Struzl, hat am Rande des Europa Forum Alpbach auch der Kapitalmarktbeauftragte der Regierung, Richard Schenz, geäußert. "Wäre ich an Struzls Stelle, hätte ich meinen Rücktritt schon vor der Aufsichtsratssitzung angeboten", sagte Schenz am Montag im Gespräch mit der APA. Für die voestalpine, betonte der Kapitalmarktbeauftragte, wäre ein Rücktritt Struzls "kein Problem".

Für Kontinuität im Konzern sei gesorgt. Der gesamte Vorstand gehöre zu "den Besten des Landes". Jeder sei "ersetzbar. Für die voestalpine sei ein Rücktritt Struzls so gesehen "kein Vorteil, aber auch kein Nachteil".

"Kavaliersdelikt"

Struzl war unter Beschuss wegen Vorwürfen des Insiderhandels unter Beschuss geraten, nachdem er im Sommer des Vorjahres unmittelbar vor einer Totalübernahme durch die voestalpine 2.800 Aktien der Weichenbaufirma VAE geordert hatte und dadurch einen Kursgewinn von 250.000 Euro erzielt hatte.

Das Vergehen war, so Schenz, unter Einrechnung der Verdienste Struzls um die voestalpine als "Kavaliersdelikt" abgetan worden. Schenz hatte diese Vorgangsweise in einer ersten Reaktion mit den Worten "Bananenrepublik" quittiert. Es gehe ihm nicht um den Insiderhandel, sondern um die Art, wie damit umgegangen worden sei. Sollte Struzl nun aber zurücktreten, betonte der Kapitalmarktverantwortliche am Montag in Alpbach, wäre der Wiener Börsenplatz aber wieder rehabilitiert.

Struzl "honoriger Mensch"

Persönlich habe er nicht gegen Struzl. Struzl habe "enorm viel geleistet für die voestalpine" und sei ein "honoriger Mensch". Das Vergehen, meint Schenz, sei wohl in einer "Blackoutsituation" geschehen.

In seiner öffentlichen Funktion müsse er aber das Handeln Struzls verurteilen. Er, Schenz, arbeite an einem Aktionsplan, der mehr Vertrauen in den Kapitalmarkt bringen solle, wenn dieses Hauptziel nicht eingehalten werde, werde seine Arbeit "konterkariert", so der Kapitalmarktverantwortliche.

Nichts hält Schenz vom Vorschlag von Justizminister Dieter Böhmdorfer, der Insiderhandel mit bis zu zehn Jahren Haft bestrafen will. Die sei "überzogen". Er sei der letzte, der honorige Herren hinter Gitter sehen wolle, so Schenz.(APA)

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