"Sensationelle" Römer-Mauer in Salzburg wird abgerissen

19. August 2003, 15:02
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Sechs Meter lange Mauer ist einzigartig nördlich der Alpen - Fresko wird abgenommen - Denkmalschutz stimmt Abriss "mit blutendem Herzen" zu

Salzburg - Die Archäologen des Salzburger Museums Carolino Augusteum (SMCA) haben in der Nord-West-Ecke des Innenhofes der Neuen Residenz einen einzigartigen, historisch bemerkenswerten Fund gemacht: Eine 6,50 m lange und 1,20 bis 1,40 Meter hohe römische, mit Fresken bemalte Mauer aus den Jahren um 100 n. Chr. Die Fresken zeigen farbige, geometrische Muster, die in vergleichbarer Form in Pompeji zu sehen sind. Nördlich der Alpen gibt es keine ähnlichen Wandbemalungen aus römischer Zeit auf solch einer großen Fläche.

Umbau der Neuen Residenz brachte Mauer zu Tage

Die Ausgrabung wurde erst jetzt gemacht, da die genau darüber liegenden Zugänge zur neuen Residenz lange benützbar bleiben mussten. Erst jetzt wurde auch dieser Teil des Hofes aufgegraben, um die Leitungen einbauen zu können. Damit bestand erstmals die Möglichkeit, dieses Areal archäologisch zu erkunden. SMCA-Direktor Erich Marx bezeichnete diesen Fund am Montag (18.8.) bei einer Pressekonferenz als sensationell. Marx hat sofort veranlasst, dass die Fresken von einem Restauratorenteam gesichert und abgenommen werden. Damit ist gewährleistet, dass keine Verzögerung der Umbauarbeiten in der neuen Residenz eintreten. Dort soll ja um 20 Mio. Euro das neue SMCA entstehen. Die Restauratoren beginnen schon heute Nachmittag mit ihrer Arbeit, die bis Mitte nächster Woche abgeschlossen sein soll.

Fresko soll abgetragen werden

Die Wand ist Teil einer noblen römischen Villa und begrenzte die zur Straße hin vorgelagerten Geschäfte und die Bronze-Gießerei vom eigentlichen Wohnbereich. Jetzt soll das Fresko abgetragen, restauriert und vermutlich im Bürgerspital wieder aufgebaut werden. "Die Mauer hier stehen lassen, das würde bedeuten, dass Zeitplan, Kosten und Bauplan der Unterkellerung der neuen Residenz kippen würden", sagte Marx. "Es ist bautechnisch unmöglich, einen 500 Quadratmeter großen und 4,5 Meter hohen Raum für Sonderausstellungen im Keller des Residenzhofes unterzubringen, ohne die Mauer nieder zu reißen."

Zustimmung des Denkmalschutzes mit "Tränen in den Augen"

Landeskonservator und Denkmalschützer Walter Schlegel sagte, "blutenden Herzens und mit Tränen in den Augen stimmen wir dem Abriss zu, es bleibt uns halt nichts anderes übrig. Aber es ist schon grotesk, dass eine einzigartige, fast 2.000 Jahre alte Mauer mit Fresko abgerissen werden muss, weil Platz für das Landesmuseum gebraucht wird". (APA)

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