"Traiskirchen als Station des Schreckens"

22. August 2003, 13:40
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SOS-Mitmensch fordert Unterbringung der Flüchtlinge in überschaubaren Wohneinheiten

Traiskirchen - Im Vorfeld der am Montag, stattfindenden Sondersitzung des Traiskirchner Gemeinderates regte die Menschenrechtsorganisation "SOS Mitmensch" an, Flüchtlinge im Lager in überschaubaren Einheiten zu etwa 20 Personen unterzubringen. Niemand sei mit der derzeitigen Situation eines "Massenlagers" zufrieden - weder die Flüchtlinge, noch die Traiskirchner Bevölkerung, hieß es in einer Aussendung.

"Traiskirchen als Station des Schreckens"

"In praktisch jeder Flüchtlings-Biographie kommt das Lager Traiskirchen als Station des Schreckens vor", so Philipp Sonderegger von SOS Mitmensch. Dieser Umstand sei auch bereits in einer wissenschaftlichen Studie des Flüchtlingsexperten Heinz Fronek dokumentiert worden. Auch im Interesse der Menschen in Traiskirchen müsse die Politik die entstandenen Spannungen "dringend abfangen", bevor diese fremdenfeindlich aufgeladen und schließlich zur Explosion gebracht würden.

40 größere Wohngemeinschaften in der Nähe von Wien

Geht es nach SOS-Mitmensch, so könnten die derzeit rund 800 in Traiskirchen untergebrachten Flüchtlinge in 40 größeren Wohngemeinschaften in der Nähe von Wien ein neues Zuhause finden. Wenn schon keine finanzielle Unterstützung für Fortbewegung vorgesehen sei, dann solle wenigstens die räumliche Nähe Anschluss an die eigene Community ermöglichen, forderte Sonderegger: "Viele Flüchtlinge sind auf die Hilfe von Landsleuten angewiesen, selbst wenn sie in Bundesbetreuung sind."

Diakonie fordert Verbesserung der Situation in Traiskirchen

Auch die Diakonie forderte heute eine Verbesserung der Situation in Traiskirchen. Ein Ausspielen der Bewohner gegen die Flüchtlinge schade hingegen allen. Wer die Qualität der Betreuung für Asylwerber verbessere, habe weniger Asylwerber auf der Straße. Ohne die Arbeit der österreichischen Hilfsorganisationen wären hunderte Menschen auf der Straße, ohne die psychologische Betreuung der NGO's würden viele gebrochene Schutzsuchende völlig abstürzen.

Zudem forderte die Diakonie zur Bewältigung der vielen Asylverfahren die Schaffung von mehr Dienstposten. Seit Monaten seien die Asylbehörden unterbesetzt, die Beamten würden alleingelassen und könnten die Asylverfahren - wo es oft um Entscheidungen um Leben und Tod gehen kann - nicht in der erforderlichen Qualität durchführen.(APA)

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