Iran warnt Israel vor Angriff auf Atomanlagen

20. August 2003, 12:16
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Sharon soll mit Bush Möglichkeit eines Präventivschlags erörtert haben - Iran erteilt Forderungen nach Stopp von Atomprogramm Absage

Teheran/Wien - Der Iran hat Israel vor schwer wiegenden Konsequenzen im Falle eines Angriffes auf iranische Atomanlagen gewarnt. Das "zionistische Regime" (Israel) müsste einen "hohen Preis für einen solchen Fehler" bezahlen, sagte Außenamtssprecher Hamid-ReZa Assefi am Montag bei einer Pressekonferenz in Teheran. Während seines Besuches in Washington Ende Juli soll der israelische Premierminister Ariel Sharon nach einem Bericht der Washington Post die Möglichkeit eines Präventivschlages gegen die iranischen Atomanlagen mit US-Präsident George W. Bush besprochen haben.

Der Iran baut seit 1995 in Zusammenarbeit mit Russland ein 6000-Megawatt-Kernkraftwerk in der südlichen Hafenstadt Bushehr am Persischen Golf. Weitere Nuklearanlagen, deren Bau Teheran der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zunächst nicht mitgeteilt hatte, gibt es im Landesinneren. Die USA, die EU und die IAEO drängen Teheran zur Unterzeichnung der so genannten Zusatzprotokolle zum Atomwaffensperrvertrag. Sie erlauben den Inspektoren der IAEO strengere Kontrollen. Von der IAEO gefundene Bodenproben mit angereichertem Uran sollen nach Darstellung Teherans von verunreinigten Maschinen stammen.

Iran erteilt Forderungen nach Stopp von Atomprogramm Absage

Der geistliche Führer des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, hat westlichen Forderungen nach einem Stopp des Atomprogramms des Landes eine Absage erteilt. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA vom Dienstag sagte Khamenei vor iranischen Diplomaten in Teheran, die Nuklearprojekte des Landes hätten friedliche Ziele. Das Land wolle keine Atomwaffen bauen.

Khamenei, der in allen politischen Angelegenheiten die Entscheidungsgewalt hat, erklärte, die westlichen Forderungen seien grundlos und unfair. Deshalb seien sie auch nicht akzeptierbar. Er kritisierte, dass Washington alle Staaten der Erde dazu bringen wolle, nach dem Willen der USA zu handeln. Jede Konzession gegenüber den USA bezeichnete Khamenei als schweren strategischen Fehler.

Nach einem iranischen Medienbericht haben die Außenminister von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Russland Teheran in einem dringenden Brief aufgefordert, das Protokoll zur Inspektion von Atomanlagen zu unterzeichnen. Dazu gab es vom Außenministerium in Teheran keine offizielle Stellungnahme. (APA/dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2003)

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