Zeilinger will mehr Mittel für die Quantenforschung

21. August 2003, 11:21
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"Wenn wir die nicht bekommen, werden wir uns von der Spitze verabschieden müssen"

Alpbach - Der durch Teleportations-Experimente mit Photonen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewordene Vorstand des Instituts für Experimentalphysik der Uni Wien, Anton Zeilinger, fordert mehr Geld vom Bund für seine Forschungen in der Quantenphysik. Gemeinsam mit der Universität Linz werde derzeit über zusätzliche Mittel in Höhe von mehreren Mio. Euro verhandelt. "Wenn wir die nicht bekommen, werden wir uns von der Spitze verabschieden müssen", sagte Zeilinger am Rande des Europäischen Forum Alpbach.

Sein Forschungsteam habe einige Forschungsarbeiten weltweit als erstes Team gestartet. "International wird nun auf unseren Arbeiten aufgebaut - allerdings an vielen Orten mit viel mehr Geld als bei uns", kritisiert der Experimentalphysiker. Nur wenn zusätzliche Mittel kommen, könne die österreichische Quantenphysik weiter kompetitiv sein.

"Schrödingers Katze" als Seminarthema

Beim Forum Alpbach hält Zeilinger gemeinsam mit seinem Kollegen Avshalom C. Elitzur von der Bar-Ilan Universität Rehovot (Israel) ein Seminar mit dem Titel "Schrödingers Katze", bei dem die Quantenphysik von ihren Wurzeln Anfang des 20. Jahrhunderts weg erläutert wird.

Eine der markantesten Erscheinungen in der Quantenwelt ist etwa die "Verschränkung" der Teilchen. Zwei verschränkte Photonen werden gleichzeitig in einer Quelle - etwa einem Laser - erzeugt, sie bleiben auch über große Distanzen miteinander verbunden. Manipuliert man beispielsweise eines der Teilchen, so beeinflusst man augenblicklich auch das Geschwisterteilchen. Zeilinger ist es gelungen, durch Ausnützung dieser Eigenschaft erfolgreich Teleportationsversuche anzustellen. Dabei gelang es dem Wiener Physiker, einen Quantenzustand über ein Hilfsphoton exakt auf ein drittes Lichtteilchen zu übertragen.

Aspekte der Quantenphysik

In Alpbach geht es unter anderem auch um die praktische Anwendung der Quantentechnologie - im Wesentlichen um Verarbeitung und Übertragung von Informationen. Bereits in vier bis fünf Jahren, so Zeilinger, soll die Technologie in der Verschlüsselung von Daten zum Einsatz kommen. Noch rund zwanzig Jahre wird es laut dem Experten dauern, bis der Quantencomputer Industrie reif ist. Er soll zwar nicht mehr Daten verarbeiten, aber durch die Abkehr von binärer Logik deutlich komplexere Fragen lösen können.

Jüngste Errungenschaft der Wiener Wissenschafter ist ein "logisches Gatter für Quanten", das Kernstück der neuen Rechner. Die Entdeckung soll in sechs bis acht Wochen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Was genau diese neue Generation von Computern für die Menschheit bringen wird, ist noch nicht klar. Zeilinger meint nur: "Da kommt etwas auf uns zu, aber was genau weiß ich nicht".

Philosophisch betrachtet

Der "viel interessantere Aspekt" ist für den Experimentalphysiker aber die philosophische Frage, die die Quantenphysik aufwerfe. Konkret geht es dabei um die Tatsache, dass bei Photonen erst durch die Messung die Quanteneigenschaft entsteht. Zuvor existiert sie nicht. Erst die Messung erzeugt die Wirklichkeit.

"Unser Bild von einer Welt, in der wir passive Beobachter sind, ist offenbar falsch. In gewissen Situationen sind wir Erzeuger der Wirklichkeit", erklärte Zeilinger. Die Wissenschaft, wie wir sie kennen, sei damit überholt. "Wir brauchen entweder eine neue Wissenschaft oder etwas komplett anderes", so der Wissenschafter. Wie diese aussehen wird, will er nicht vorhersagen. "Ich wäre aber sehr überrascht, wenn die Zukunft mich nicht sehr überraschen würde", sagt Zeilinger. (APA)

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