Warnung vor möglichem neuem Medienmonopol in Mazedonien

22. August 2003, 11:21
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Nach der Übernahme von drei führenden Tageszeitungen durch WAZ

Medienvertreter befürchten, dass die Übernahme von drei führenden mazedonischen Tageszeitungen durch den Konzern der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zu einem Medienmonopol führen wird. Der WAZ-Konzern ist seit Ende Juli Besitzer der Tageszeitung "Dnevnik" sowie der kleineren Blätter "Vest" und "Utrinski Vestnik" (etat.at berichtete). Die drei Medien haben zusammen eine Gesamtauflage von 120.000 Exemplaren.

Zum Direktor des neuen Herausgebers der drei Blätter - Media Print Macedonia - wurde der einstige mazedonische Außenminister Srdjan Kerim bestellt. Kerim war eine Zeit lang auch ein Berater des früheren Koordinators des Südosteuropa-Stabilitätspaktes, des aktuellen WAZ-Chefs Bodo Hombach.

Verringerung der Konkurrenz

Während die Chefredakteure der drei Blätter eine wesentliche Kostensenkung erwarten, wird in anderen Printmedien befürchtet, dass die WAZ-Präsenz letztendlich zur Verringerung der Konkurrenz auf dem Medienmarkt führen wird.

Die einst führenden mazedonischen Tageszeitungen "Nova Makedonija" und "Vecer" sind bereits seit längerer Zeit in ihrer Existenz bedroht. Ihre Auflagen erreichen nur noch etwa 1.000 Exemplare. Dabei war gerade der Zeitungsverlag "Nova Makedonija", der neben dem gleichnamigen Blatt auch mehrere andere Zeitung und Zeitschriften herausgegeben hatte, jahrzehntelang der Hauptmonopolist auf dem mazedonischen Medienmarkt.

WAZ kontrolliert 80 Prozent des Printmediamarktes

In Mazedonien werden inzwischen acht Tageszeitungen, sechs in mazedonischer und zwei in albanischer Sprache, herausgegeben. Die WAZ hat mit der Übernahme der drei Blätter praktisch 80 Prozent des Printmedienmarktes erobert, weshalb sich nach Ansicht des Inhabers der Wochenzeitschrift "Kapital", Ljupco Zikov, unvermeidlich auch die Frage ihres Monopols stellen müsste.

"Einheitliche Redaktionspolitik"

Das Regierungskomitee zur Monopolbekämpfung hat sich zur Übernahme der drei Tageszeitungen noch nicht geäußert. In Medienkreisen wird indes befürchtet, dass die drei Blätter schon in nächster Zeit auch eine einheitliche Redaktionspolitik vertreten dürften, auch wenn die neuen Inhaber mitgeteilt hatten, dass sie sich in die Redaktionspolitik nicht einzumischen gedenken.

Wie anderswo auf dem Balkan waren auch mazedonische Medien jahrelang starkem Einfluss der Politiker unterlegen. Die Regierungen hatten oft genug auch ihre Kontakte zu wichtigsten Firmen geltend gemacht, um die Werbungseinnahmen der Medien, ihre wichtigste Einnahmequellen, direkt zu beeinflussen. (APA)

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