Offene Bikinizonen

22. August 2003, 11:37
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Hubert Schmalix ist seit langem schon kein "junger Wilder" mehr - Ausstellung in der Galerie Eugen Lendl

Hubert Schmalix ist seit langem schon kein "junger Wilder" mehr. Die Zeiten, da er noch inwendig liegende Geheimnisse aus sich heraus und hernach expressiv über die Leinwand stülpte, sind Geschichte. Vor 20 Jahren hat sich seine Formenwelt gewandelt. Die energisch vorgetragene Kontur hat sich beruhigt, hat sich motivisch an "der Frau" bedient, sie in viel sagender Gebärde, frei im Farbfeld schwebend, mit symbolistisch aufgeladenen Objekten kombiniert. Und Schmalix war daraufhin gar damit beschäftigt, biedermeierliche Vorortviertel streng kantig aufzuführen oder das Selbstporträt als neues Christusbild zu proklamieren.

Inzwischen hat die Leidenschaft den Künstler wieder eingeholt: nicht jene alte für den wilden Strich, sondern die weitaus ältere für alles weiblich Runde. Im sonnenlichtdurchwirkten, schwülen Boudoir oder tief im Walde bereiten sich die Damen, räkeln sich knackig, um die Zeit der allergrößten Mittagshitze in stiller Einfalt und auf Zuruf wartend zu verbringen, wenn sie sich nicht schon Handfesterem brav saugend widmen.

Das voyeuristisch Aufgemachte befriedigt dabei nicht bloß den verschwitzten Konsumenten reich illustrierter Hochglanzmagazine, auch der sich am Bildbegriff Ergötzende darf auf Erlösung hoffen, hat Schmalix doch die nackt posierenden Modelle schematisiert, zeichnerisch im Cloisonné dem Bildgefüge einverleibt. Gauguins Weisung, das Bild synthetisiert aus der Erinnerung zu malen, wird ohne Widerspruch befolgt, ist Ansporn, die nur selten gut versteckten Vorlagen zu suchen. (trag/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2003)

Galerie Eugen Lendl
Palais Wildenstein
Hans- Sachs-G. 1/I
8010 Graz
0316/82 55 14
bis 20. 9.
  • Hubert Schmalix, O.T., aus der Serie "Grandes Pasiones", 2003.
    foto: galerie eugen lendl

    Hubert Schmalix, O.T., aus der Serie "Grandes Pasiones", 2003.

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