Flughafen Wien schielt auf Bratislava

19. August 2003, 19:33
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"Strategische Partnerschaft" angedacht - Bratislava soll ausgebaut werden

Wien - Eine Beteiligung am nur rund 50 km entfernten slowakischen Flughafen Bratislava/Preßburg bleibt eines der dringlichsten mittelfristigen Ziele für den börsenotierten Flughafen Wien. "Sinnvoll wäre ein gemeinsames Airport-System, wir wollen eine strategische Partnerschaft", sagte der Vorstandssprecher des Flughafen Wien, Herbert Kaufmann. Daran könnten sich auch andere Partner beteiligen, theoretisch auch die AUA, die ebenfalls interessiert nach Preßburg blickt, wo seit kurzem der Billigflieger SkyEurope auch Fluggäste aus dem Raum Wien anlockt. Konkrete Pläne gebe es aber nicht, so Kaufmann.

Ein echtes "Zusammenwachsen" der beiden Nachbar-Flughäfen könne es wegen der Entfernung aber nicht geben, auch könne Bratislava die geplante dritte Piste in Wien nicht ersetzen, unterstrich Kaufmann. Wien müsse weiter Drehkreuz für die AUA bleiben und Umsteigeflughafen in andere Ziele in West- und Osteuropa.

Bratislava soll ausgebaut werden

Zugleich solle der bisher vergleichsweise kleine Airport Bratislava deutlich ausgebaut werden. Bisher fliegen aus der slowakischen Hauptstadt jährlich rund 400.000 Passagiere ab, von Wien sind es 12 Millionen. Durch den steigenden Quellverkehr aus der Slowakei seien auf jeden Fall tägliche Verbindungen in wichtige Städte wie London, Brüssel, Frankfurt oder Paris ab Bratislava notwendig, meint Kaufmann. Die Infrastrukturanbindungen nach Bratislava seien massiv zu verbessern.

Noch in diesem Jahr soll die Ausgliederung des bisher staatlichen Flughafen in eine Aktiengesellschaft erfolgen, deren Aktionäre zunächst die Stadt, die Region und der slowakische Staat sein werden. Bis spätestens 2005 soll der Bratislava Airport dann privatisiert sein, so der Plan. Der Vienna Airport hat sein Interesse bereits deutlich deponiert. Voraussichtlich erst in vier bis sieben Jahren werden mit einem Schengen-Beitritt die Grenzbalken wegfallen.

Keine Stilllegung

Slowakische Befürchtungen, Wien könnte Bratislava als unliebsamen Konkurrenten stilllegen, möchte Kaufmann zerstreuen: "Wir verpflichten uns, das nicht zu tun, sondern wollen im Gegenteil investieren". Wie viel Geld und bis zu welcher Passagierzahl könne er noch nicht sagen. Unbegründet sei auch die Sorge, Wien könnte Bratislava zum reinen Frachtflughafen "degradieren", versicherte der Airport-Chef. Der Großteil der Fracht werde von Passagiermaschinen mitgenommen, spezialisierte Frachtunternehmen wie UPS hätten erst kürzlich massiv in Wien investiert.

Den von AUA und Lufthansa geäußerten Vorwurf überhöhter Gebühren am Wiener Flughafen weist Kaufmann zurück, "das stimmt so nicht". Wien sei nicht mehr der teuerste Flughafen im deutschsprachigen Raum, wenn die gewährten Anreiz-Programme für die Aufnahme neuer Destinationen, insbesondere solche nach Mittel- und Osteuropa, berücksichtigt würden. Dann liegen die Kosten des Flughafen Wien-Schwechat laut Kaufmann nur um 2 Prozent über dem Durchschnitt der Airports im deutschsprachigen Raum.

Neue Billigfluggesellschaften haben Passagierrückgänge in Wien in den vergangenen Monaten mehr als kompensieren können: In den ersten sechs Monaten befinden sich mit Air Berlin (5.), Aero Lloyd (9.) und Germanwings (10.) bereits drei deutsche Billigflieger unter den Top Ten. Wichtigste Einzeldestinationen ab Wien waren Frankfurt, London, Paris, Amsterdam und Zürich, auf der Langstrecke Bangkok, Washington, New York, Tokio, Sydney und Delhi.(APA)

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