Gemurkse zum Quadrat

18. August 2003, 11:03
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Ein Kommentar von Günther Strobl

So etwas hat es lange nicht mehr gegeben in Österreich: Gleich um zwanzig Prozent ist die Zahl der Anträge gestiegen, die beim Wissenschaftsfonds FWF in den ersten sechs Monaten dieses Jahres eingegangen sind; das beantragte Fördervolumen ist im selben Zeitraum um fast 30 Prozent in die Höhe geschnellt - eigentlich ein gutes Zeichen in dem als technologiefeindlich und innovationsschwach verschrienen Österreich.

Leider ist das nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich fehlen heuer rund 17 Millionen Euro im Wissenschaftstopf, das ist ein Rückgang um zwanzig Prozent an Fördermitteln gegenüber dem Vorjahr. Die Universitäten und die Akademie der Wissenschaften, die den Löwenanteil der FWF-Förderungen erhalten, trifft das doppelt: Da beide Einrichtungen selbst weniger Geld zur Verfügung haben, suchen sie verstärkt nach anderen Finanzquellen, die sie anzapfen können. Und sind dabei kreativ. Da Assistenzstellen aus Kostengründen häufig nicht mehr nachbesetzt werden dürfen, kann es schon passieren, dass in dem einen oder anderen Projektantrag auch die Kosten für eine Fachkraft inkludiert werden. Weil der Wissenschaftsfonds aber insgesamt über weniger Mittel verfügt, tun sich Unis zunehmend schwer, Forschungsprojekte überhaupt genehmigt zu bekommen.

Für den Wissenschaftsstandort Österreich ist das eine Katastrophe. Junge Forscher, die zusammen mit innovationsfreudigen Unternehmern und gut ausgebildeten Mitarbeitern das Rückgrat der Wirtschaft bilden, sehen sich zunehmend an den Rand gedrängt. Die Konsequenz: Flucht ins Ausland oder Wechsel in die Industrie. Österreichs Wissenschaftspolitiker sind sich offensichtlich der Folgen ihres Tuns nicht bewusst. Sonst würden sie endlich Schluss machen mit dem, was die Forschungspolitik bei uns seit langem charakterisiert: Gemurkse. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 8. 2003)

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