Adrenalinspritze gegen Insektengift

24. August 2003, 20:06
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Die Insektenallergie ist tückisch und kann gefährlich werden. Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung reagieren überempfindlich. Mit einem neuartigem Gerät können sich Allergiker im Notfall auch selbst die rettende Injektion verpassen

Es kann jeden treffen: Anders als bei anderen Allergien gibt es bei Insektenallergien keine genetischen Voraussetzungen. Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung reagieren überempfindlich auf Insektengifte. Damit sind diese Allergien zwar bei weitem nicht so häufig wie jene gegen Pollen, Hausstaub oder Tierhaare, dafür aber umso tückischer und gefährlicher.

Denn Betroffene wissen oft nichts von ihrer Allergie. Und werden sie gestochen, trifft es sie unvorbereitet. "Wenn nach einem Stich Symptome wie Juckreiz, Hautausschlag oder Schwellungen länger als einen Tag andauern, ist es nicht mehr harmlos", so Christof Ebner, Leiter der Allergieambulanz am Wiener Reumannplatz, "dann sollte man einen Facharzt oder ein Allergiezentrum aufsuchen und einen Test machen."

Überreaktion

Wer Reaktionen zeigt, die innerhalb von 24 Stunden nicht abklingen, könnte bereits ein Allergiker sein. Beim nächsten Stich würde man dann wahrscheinlich weitaus heftiger auf das Gift reagieren, warnt Ebner. Es kann zu Übelkeit, Schwindel und Atemnot kommen, im schlimmsten Fall erleidet man einen Kreislaufschock, der ohne sofortige medizinische Hilfe innerhalb von Minuten tödlich sein kann.

Jährlich sterben in Österreich immerhin vier bis acht Menschen an Insektengiften. Hilfe kann man jedoch griffbereit haben: Für schwere Allergiker gibt es ein Notfallset, mit dem sie sich nach einem Stich selbst behandeln können. Neben Tabletten, Brausepulver, Tropfen und Kortison gehört dazu ein neuartiges Injektionsgerät, um sich ein Antiallergikum zu spritzen.

Seit etwa zwei Jahren ist der so genannte "Epipen" auf dem österreichischen Markt zugelassen. Entwickelt wurde er Mitte der 90er-Jahre von dänischen Forschern. Das Gerät sieht aus wie ein dicker Kugelschreiber, mit dem man sich z.B. am Oberschenkel eine Adrenalinlösung unter die Haut injiziert, die dann ins Blut übergeht. Die Spritze dringt sogar durch Hosen und Röcke. "Adrenalin ist eines der stärksten antiallergischen Mittel", so Ebner, "es hebt den abgesackten Blutdruck und stabilisiert den Kreislauf innerhalb kürzester Zeit."

Allerdings erhält man den Epipen nur nach einem eingehenden Gespräch mit dem Arzt. Epipen darf auch nur in absoluten Notfällen, wenn die Medikation nicht gewirkt hat, eingesetzt werden. Auch dritte Personen in der Umgebung des Betroffenen sollten Bescheid wissen, um richtig zu reagieren, sollte man nach einem Stich bewusstlos sein.

Dauerhaft kann man die Allergie indes nur mit einer Impfkur loswerden. "Die Heilungsrate liegt fast bei 100 Prozent", sagt Ebner. Dabei sollte man aber besser keine Angst vor Spritzen haben: Die Kur dauert bis zu fünf Jahre, am Anfang bekommt man wöchentlich Injektionen. Etwas beschleunigen lässt sich die Therapie im Spital, dabei wird einem stationär eine höhere Dosis verabreicht.

Keine Veränderung

Dass Insekten heuer besonders aggressiv oder durch Umwelteinflüsse immer giftiger wären, lässt sich mit keiner Studie bestätigen. "Das Insektengift, zusammengesetzt aus einem komplexen Eiweißgemisch, hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert", sagt Peter Iwaniewicz, Insektenspezialist und Tier-der-Woche-Kolumnist beim Falter. Bienen und Wespen seien grundsätzlich nicht aggressiv, so Iwaniewicz, sie treten in diesem Sommer gehäuft auf, da der warme und trockene Frühling ihre Vermehrung begünstigt hat. Wer von Bienen und Wespen umschwirrt wird, lockt sie meist selbst herbei. Die Brummer fliegen auf Duftstoffe in Parfums, auch den Geruch von Bier finden sie unwiderstehlich. (Petra Rathmanner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 8. 2003)

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