Elektrotherapie gegen Suizid-Kopfschmerzen und Migräne

17. März 2014, 11:59
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Neurophysiologische Methoden können Behandlungsalternativen sein, wenn Medikamente beim Einsatz gegen Migräneattacken und Cluster-Kopfschmerzen versagen

Schmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit – Migräne ist mehr als ein bisschen Kopfweh. Betroffene sprechen von einem "Gewitter im Kopf". Weil bei einem Teil der Patienten herkömmliche Schmerztherapien versagen, suchen Neurophysiologen nach neuen Wegen bei der Behandlung. Die Stimulation bestimmter Nerven im Kopf- und Halsbereich mit Strom soll Linderung schaffen. Ein chirurgischer Eingriff ist dabei nicht immer notwendig.

Weltweit leiden mehr als zehn Prozent der Erwachsenen an Migräneattacken, bei einem Zehntel davon sprechen Experten von chronischer Migräne. Das bedeutet, dass an mindestens 15 Tagen im Monat Symptome auftreten. Darüber hinaus leiden 0,8 Prozent aller Menschen unter Clusterkopfschmerzen, welche Ihrer Intensität wegen auch Suizid-Kopfschmerzen genannt werden. "Relativ häufig sprechen diese Patienten auf Standardtherapien nicht an", sagt Andreas Straube, Vorstandsmitglied der DGKN (Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung) und Kopfschmerzspezialist am Universitätsklinikum Großhadern in München.

Implantierte Elektroden

Deshalb suchen Forscher bereits seit einigen Jahren nach Behandlungsalternativen. Dazu gehört die elektrische Stimulation des Hinterhauptnervs (Okzipitalnervs, ONS), des Vagusnervs (VNS) oder des Ganglion sphenopalatinum – eines hinter der Nasenwurzel liegenden Nervenknotens. "Studien haben hier erste viel versprechende Ergebnisse geliefert", sagt Straube. So ergab eine Untersuchung zur Wirkung der ONS bei chronischer Migräne (ONSTIM-Studie) eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bei fast 40 Prozent der Patienten. Andere Arbeiten belegten eine Wirkung der ONS auch bei Menschen mit chronischem Clusterkopfschmerz.

Bei der ONS werden zwei Elektroden unter die Haut im Nackenbereich implantiert. Die elektrischen Impulse kann der Patient mit einer Handfernbedienung einstellen. Im Unterschied dazu ist bei einer VNS ein operativer Eingriff nicht in jedem Fall nötig: Wissenschaftler sind derzeit dabei, die Wirkung einer direkten elektrischen Stimulation des Vagusnervs am Hals beziehungsweise an der Ohrmuschel zu erforschen.

Reduzierte Attacken-Frequenz

Zur Stimulation des Ganglion sphenopalatinum gibt es bislang positive Ergebnisse in Bezug auf Clusterkopfschmerz: In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte die gezielte Stimulation bei 36 Prozent der Patienten die Attacken-Frequenz um mehr als die Hälfte reduzieren. Die Elektrode wird hier am Oberkiefer implantiert und von außen bedient. "Im Unterschied zur ONS hat die Reizung des Ganglion sphenopalatinum offenbar auch eine prophylaktische Wirkung", sagt der Experte.

Diese Verfahren können auch Nebenwirkungen haben. Möglich seien Infektionen oder einen Elektrodenbruch, so Straube. Schwerwiegend sind diese in der Regel allerdings nicht. (red, derStandard.at, 17.3.2013)

 

Wie Elektrotherapie funktioniert und wer davon profitiert, darüber informiert die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) auf einer Pressekonferenz am 20. März 2014 anlässlich ihrer 58. wissenschaftlichen Jahrestagung und dem parallel stattfindenden Internationalem Kongress für Klinische Neurophysiologie (ICCN) in Berlin.

Abstract:

Occipital nerve stimulation for the treatment of intractable chronic migraine headache: ONSTIM feasibility study

  • Die stechenden Schmerzen des Cluster-Kopfschmerzes sind für die Betroffenen nur schwer zu ertragen.
    foto: derstandard.at

    Die stechenden Schmerzen des Cluster-Kopfschmerzes sind für die Betroffenen nur schwer zu ertragen.

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