Normungsinstitut will Binnen-I verbannen

17. März 2014, 14:59
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Entwurf für "Richtlinien zur Textgestaltung" will allgemeingültige Formulierungen statt weiblicher Endungen

Geht es nach den Vorschlägen von Austrian Standards, dem österreichischen Normungsinstitut, könnte die geschlechtergerechte Sprache bald der Vergangenheit angehören. Der Entwurf für die "Richtlinien zur Textgestaltung", Önorm A 1080, sieht vor, "eingeschlechtlichen Formulierungen den Vorzug" zu geben, damit die Verständlichkeit des Textes nicht darunter leide.

Das Binnen-I in sei demnach stilistisch nicht zu empfehlen. "Es ist durch keine Rechtschreibregelung gerechtfertigt und daher zu vermeiden", heißt es im Text. In der Richtlinie wird eine Generalklausel vorgeschlagen, um Texte so zu formulieren, dass Frauen in einer allgemeingültigen Form in die männliche Form miteinbezogen werden.

Mag.a ist regelwidrig

Änderungsbedarf sieht Austrian Standards bei akademischen Titeln. Ein nachgestelltes "a" hinter "Mag." oder ein "in" nach "Dr." sei regelwidrig, da durch einen Punkt das Ende einer Abkürzung signalisiert werde. Die Abkürzung "Mag." stehe sowohl für Magister als auch für Magistra.

Auch Wortschöpfungen will Austrian Standards nicht zulassen: Weibliche Ableitungsformen seien nur dann erlaubt, wenn sie die Sprache bereithält: Landwirtin ist möglich, Gästin aber nicht.

Rechtlich bindend ist die "Richtlinie für die Textgestaltung" nicht. Eine Norm sei lediglich eine Empfehlung, heißt es aus der Austrian-Standards-Presseabteilung. Nur wenn der Gesetzgeber darauf verweist, hat sie Relevanz. Trotzdem gilt sie als Arbeitsgrundlage für den Unterricht.

Einspruch bis Ende März möglich

Jede Norm wird vor dem Inkrafttreten einem öffentlichen Stellungnahmeverfahren unterzogen. Bürger können Vorschläge einbringen, danach wird der Entwurf noch einmal gründlich überarbeitet. Laut Pressestelle gab es sehr viele Reaktionen. Die Widerstände bezogen sich großteils auf den Passus der geschlechtergerechten Formulierung.

Bis 31. März 2014 kann man sich registrieren und zum Entwurf Stellung nehmen, danach muss das Komitee einstimmig entscheiden. Einigt man sich nicht, wird der Passus aus der Norm gestrichen. (mte, derStandard.at, 17.3.2014)

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