Twitter-Chef besucht erstmals China

17. März 2014, 09:06
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Plattform ist seit 2009 verboten, Twitter-CEO Costolo dementiert Verhandlungen

Dick Costolo, Geschäftsführer von Twitter, setzt zum ersten Mal in seinem Leben Fuß auf chinesischen Boden. Offiziell besucht er China, um "mehr über die chinesische Kultur und den aufstrebenden Technologiesektor zu erfahren", so die Presseabteilung des Unternehmens. Tatsächlich ist Costolos Besuch jedoch als für Twitters Interesse an potenziell 600 Millionen neuen Kunden zu sehen.

Zensur

So viele Internetznutzer gibt es momentan in China – und keiner davon darf offiziell auf Twitter sein, das seit 2009 von Regierungsbehörden blockiert wird. Damit steht der Nachrichtendienst in einer Reihe mit Google und Yahoo, die ebenfalls von der chinesischen Zensur betroffen sind. Im Unterschied dazu umgarnt Facebooks Mark Zuckerberg die Pekinger Führungsriege regelmäßig.

Kein Peking-Besuch

Costolo wird bei seinem Aufenthalt Regierungsvertreter, Akademiker und Studenten treffen. Er besucht Shanghai, wo momentan in einem Pilotprojekt eine freiere Handelszone eingerichtet wird; ein Trip nach Peking ist nicht geplant.

"Twitter als Twitter"

Vergangenen Juni hatte Costolo davon gesprochen, "gerne Twitter als Twitter in China zu etablieren", er werde aber auf keinen Fall "Prinzipien unserer Plattform aufgeben". Aber auch abseits einer Markteinführung in China hat Twitter einige Interessen in China: Da gibt es etwa den chinesischen Hardwarekonzern Lenovo, der regelmäßig auf Twitter wirbt, oder Twitter-Tochter MoPub, die sich um Werbung innerhalb von Apps kümmert.

Staatsfernsehen auf Twitter

Trotz des Banns gibt es eine kleine chinesische Twitter-Gemeinde, deren Mitglieder sich über VPN mit dem Dienst verbinden. Darunter ist etwa der Künstler Ai WeiWei, der bisher mehr als 105.000 Tweets abgesetzt hat. Aber auch das chinesische Staatsfernsehen und die staatliche Xinhua Nachrichtenagentur betreiben einen Twitter-Account. (Reuters/fsc, derStandard.at, 17.3.2014)

  • Twitter-CEO Dick Costolo hegt offiziell keine Pläne, seine Plattform in China zu etablieren
    foto: reuters/eric gaillard

    Twitter-CEO Dick Costolo hegt offiziell keine Pläne, seine Plattform in China zu etablieren

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