Die gefährlichsten Straßen der Welt

Ansichtssache19. März 2014, 13:46
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Die Auto- und Motorradsaison beginnt. Gut, wenn man den technischen Zustand seiner Fahrzeuge überprüft, das gibt ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Weniger gut, wenn man sich auf eine der gefährlichsten Straßen der Welt begibt, denn auf ihnen nützen im Extremfall auch neue Bremsscheiben und volle Flüssigkeitsbehälter nichts.

Von tödlichen Abgründen über unvorhersehbare Felsstürzen bis hin zu Wegelagerern, die selbst die Polizei das Fürchten lehren, reichen die Gefahren auf diesen Straßen. Driving Experiences hat die höllischen Routen jetzt kategorisiert und nach einem "Angstfaktor" zwischen eins und zehn bewertet.

Herausgekommen ist eine Liste des Grauens, die aber für wahre "Kings of the Road" wohl das nötige Maß an Gänsehaut bereithält, um die Fahrt entlang dieser gefährlichsten Straßen der Welt trotzdem - oder gerade deshalb - zu wagen. Wir stellen einige der riskantesten Strecken vor. (todt, derStandard.at, 19.3.2014)

Der Name dieser Straße klingt romantisch und erinnert an Elfen und andere Fabelwesen: Trolle. "Trollstigen" - also Trollleiter - heißt diese, in Serpentinen nach oben kletternde Verbindung zwischen Andalsnes in Raum und Valldal in Norddal in Norwegen. Die Trollleiter ist Teil der Straße 63. In den elf Kehren empfiehlt es sich, ein paar Gänge zurück zu schalten.

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Die Straße ist nur wenige Meter breit, Begegnungen stellen neben den halsbrecherischen Kurven eine weitere Herausforderung an die Fahrer dar. Trotzdem fahren jedes Jahr hunderttausende Touristen die zwölf Prozent Steigung bis zur Passhöhe. Der Angstfaktor für die Trollstigen liegt bei fünf.

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Die Panamericana verbindet den gesamten amerikanischen Doppelkontinent, verbindet Alaska mit Feuerland und ist über die gesamte Strecke (mehr oder weniger) befahrbar. Einzig ein Teilstück zwischen Panama und Kolumbien ist nicht fertig gestellt. Entlang einer Strecke von rund 48.000 Kilometern (der Umfang der Erde beträgt rund 40.000 Kilometer), kann viel passieren. Die Straße zählt nicht nur zu den gefährlichsten der Welt, sie steht auch im Guinness Buch der Rekorde.

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Der "Angstfaktor" für die Panamericana liegt bei sechs. Die Gefahren entstehen vor allem durch die extremen Unterschiede (Klima, Landschaft, Kulturen etc.) entlang der Strecke und durch unvorhersehbare Ereignisse wie Erdrutsche, die dazu führen können, dass ein Stück der Straße wegbricht. Immer wieder treiben sich Kühe, Schafe, Ziegen, Hunde oder Wildtiere auf der Piste herum, Hochwasser machen die Straße unpassierbar, Stürme sorgen für zusätzliche Kicks. Außerdem sollte man zumindest ein bisschen Spanisch beherrschen, denn ein großer Teil der Verbindung führt durch Lateinamerika.

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Ein "Angstfaktor" von 8 macht den Transsibirischen Highway zum "Gustostückerl" unter den gefährlichsten Straßen. Tatsächlich handelt es sich dabei um sieben Straßen, die als Gesamtes Russland von Westen nach Osten durchziehen. Im Sommer sorgen schwere Regenfälle für weitreichende Behinderungen, der strenge russische Winter macht die Route in der anderen Jahreshälfte zu einem gefährlichen Abenteuer.

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Dabei gibt es im Westen durchaus gut ausgebaute, asphaltierte Abschnitte. Aber je weiter östlich man kommt, umso wilder wird die Straße. Die extremen Wetterbedingungen sorgen jedes Jahr für massive Schäden. Die gesamte Strecke ständig in Stand zu halten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem führt die Strecke durch völlig isolierte Landstriche und man tut gut daran, sich mit ausreichend Proviant zu versorgen, um etwaige längerfristige Pannen zu überstehen.

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Entlang der N2, die von Kapstadt bis Ermelo führt, muss man mit so ziemlich allem rechnen, was Fahren richtig ungemütlich macht: Autofahrer, die sich vor allem durch Willkür, Raserei und Unkenntnis der Grundregeln des Straßenverkehrs auszeichnen, liegengebliebene Schrotthaufen am Straßenrand (im besten Fall) und herumstreifende Tiere.

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Die größte Gefahr geht von den Fahrern aus. Wer hier auf den Vertrauensgrundsatz baut, ist schlecht beraten. Der "Angstfaktor" liegt bei sechs. Auch nicht außer Acht lassen sollte man, dass Schäfer mit ihren Herden in Südafrika immer Vorrang genießen.

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Auch auf der Strecke, die die beiden kenianischen Städte Nairobi und Nakuru verbindet, stellen die Fahrer die größte Gefahr dar. Die Angst ist mit dem Faktor sieben relativ groß, wenn man bei halsbrecherischen Überholmanövern oder fahrenden Verkehrsgefährdungen dem Tod ins Auge sieht.

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Viele einheimische Fahrer sind betrunken unterwegs. Dementsprechend wenig vertrauensvoll sind die Verkehrsteilnehmer. Da bleibt kaum noch Zeit, sich der Landschaft oder den Tieren zu widmen, obwohl Nashörner, Zebras, Antilopen oder andere Wildtiere sich gerne auf der Straße aufhalten.

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Gute Nerven und viel Vertrauen in sein Glück sind gefordert, wenn man die Carretera Federal 1 in Mexiko in Angriff nimmt. Der Abgrund ist nur einen Hauch entfernt, riskante Überholmanöver sind an der Tagesordnung, wilde Stürme sorgen zusätzlich für Unsicherheit. Alles zusammen ergibt das einen Angsfaktor von sechs für diese Route.

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Über eine Länge von rund 1.700 Kilometer erstreckt sich die Straße auf der Halbinsel Baja California, die Fahrt beginnt in Tijuana und endet in Cabo San Lucas. Der Highway schmiegt sich in einen schmalen Streifen zwischen Bergen und Meer, auf dem LKWs, Busse und Autos um jeden Millimeter kämpfen, der sie vor einem Absturz bewahrt. Die Lebensfreude und das bunte Treiben Mexikos vergisst man angesichts der vielen Unfälle, die hier jedes Jahr passieren, relativ schnell.

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Seit vielen Jahren die absolute Nummer eins unter den gefährlichsten Straßen ist und bleibt die Straße in den nördlichen Yungas in Bolivien. Die Strecke führt von La Paz bis in den Regenwald der Yungas - und kostete bis 2006 jedes Jahr hunderte Menschen das Leben. Brüchige Ränder beförderten voll besetzte Busse in den Abgrund, waghalsige Ausweichmanöver verlangten LKW-Fahrern Todesverachtung ab. Heute ist die Straße ein Touristenmagnet und lockt vor allem Radfahrer an.

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2006 wurde eine asphaltierte Ausweichstrecke gebaut, sodass fast keine Kraftfahrzeuge mehr auf der alten Todesstrecke unterwegs sind. Der Name "Camino de la Muerte" - also "Weg des Todes" - ist nur noch eine Erinnerung an Zeiten, in denen die Fahrt über diese wichtige Verbindung fast einem Todesurteil gleichkam. Trotzdem behält die Straße den "Angstfaktor" zehn und ist somit "Sieger" in der Bewertung.

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12,5 Kilometer Höllentrip. Die Commonwealth Avenue in Quezon City auf den Philippinen wird häufig als die gefährlichste Straße im Großraum Manila bezeichnet. Die wichtigste Regel für diese Straße lautet: Es gibt keine Regel. Jeder fährt so gut - oder so schlecht - er kann und es gelten eigene Gesetze. Hunderte Verletzte und Tote - vor allem Radfahrer, Fußgänger und Mopedfahrer - sind das jährliche Resultat. Trotzdem erreicht die Straße nur den "Angstfaktor" sechs.

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Die drittgefährlichste Straße der Welt ist der James Dalton Highway, der von Fairbanks bis Deadhorse nahe der Beaufortsee führt. 666 (!) Kilometer geht die Route durch menschenleeres Gebiet mitten durch die unberührte Natur Alaskas. Gebaut wurde die Strecke für den Transport von Öl und Gas.

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Sich warm anzuziehen ist das Mindeste, was man tun kann, wenn man sich auf den Weg durch Berge und Wälder macht, wo die Temperaturen auf bis zu  minus 60 Grad Celsius fallen können. Die Straße wurde 1974 für den Transport, 1994 auch für Touristen geöffnet. Hubschrauber patrollieren zweimal täglich entlang der Strecke, um bei Unfällen oder Pannen Hilfe leisten zu können. Der "Angstfaktor" liegt bei sechs.

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Wir begeben uns in wärmere Gefilde und zwar nach Brasilien. Die "Rodovia da Morte" - die Autobahn des Todes - verläuft zwischen Fortaleza im Nordosten und Jaguarão im Süden. Sie sieht zwar auf längeren Abschnitten durchaus gut befahrbar aus, allerdings kann die Strecke auch ein völlig anderes Gesicht zeigen. Schlaglöcher und unbefestigte Abschnitte machen die Fahrt auf der B 116 zum Abenteuer.

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Dazu kommen Gangs, die die Strecke im Auge haben und ahnungslose Autoreisende überfallen, ausrauben - und manchmal auch töten. Nicht einmal die Polizei wagt sich an diese Streckenabschnitte heran, sodass Fahrer hier völlig auf sich alleine gestellt sind und auf ihr Glück hoffen müssen. Wer das alles überlebt, lernt allerdings eine der landschaftlich reizvollsten Fernstraßen der Welt kennen. Angstfaktor acht.

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Zoji La ist ein Gebirgspass in Kaschmir entlang des Highway 1D zwischen Srinagar und Leh. Dass eine Straße im Himalayagebiet keine ausgebaute Autobahn sein kann, liegt auf der Hand. Abgründe, Muren, Vereisungen sowie liegengebliebene Fahrzeuge am Straßenrand sind charakteristisch für die Strecke. Der Angstfaktor liegt bei acht und es ist bei weitem nicht nur die Passhöhe von 3.528 Metern, die Fahrern den Atem raubt.

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Diese Straße wurde von den Bewohnern von Guoliang aus dem Felsen gegraben, um ihr Dorf mit dem Rest der Welt zu verbinden. Viele haben dabei ihr Leben gelassen. Die Strecke wird wenig befahren, ist kurvenreich, schmal und schlängelt sich neben dem Abgrund dahin. Landschaftlich reizvoll aber ohne Leitplanken oder sonstige Sicherungen hat sie ihren Zusatz "Straße, die keine Fehler verzeiht" verdient und bekommt den Angstfaktor sieben.

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Auch in der Schlucht von Taroko in Taiwan haben Menschen fast Unmenschliches zustande gebracht und eine Straße in Handarbeit aus dem Felsen gekratzt, gegraben und geschlagen. Die Strecke ist eine der gefährlichsten in Taiwan, aber auch eine der reizvollsten. Die Fahrt vorbei an türkisblauem Wasser und schimmernden Marmorfelsen kann man allerdings kaum genießen, da man sich auf die enge, verwinkelte Straße konzentrieren sollte.

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Immer wieder befördern Regenfälle und Stürme Felsbrocken auf die Straße und machen die Strecke unpassierbar. Wenn die Strecke offen ist, teilen sich die schmale Fahrbahn Autofahrer mit Radlern und Fußgängern. Der Angstfaktor liegt bei sieben.

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"Strada delle 52 Gallerie" - "Straße der Tunnels" heißt eine uralte Verbindung im Norden Italiens, etwa 30 Kilometer östlich des Gardasees an der Grenze zwischen Vicenza und Trient. Ihren Namen verdankt sie 52, von Hand gegrabenen Tunnels, beliebt ist sie wegen der einmaligen Ausblicke, die sie eröffnet. Autos begegnet man hier nicht, dafür Wanderern und Mountainbikern. Der gefährlichste Teil der Straße ist für den Verkehr überhaupt geschlossen. Gebaut wurde die Straße ursprünglich 1917, um die Stellungen der italienischen Gebirgsjäger auf dem Pasubio im Stellungskrieg in den südlichen Dolomiten zu versorgen. Der Angstfaktor liegt bei sieben.

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Ein Schild warnt Fahrer der "Skippers Canyon Road" in Neuseeland davor, dass die Straße alles Andere als sicher ist. Die Schönheit der Landschaft zieht trotzdem eine große Zahl von Touristen an. Eine lustige Ausflugsfahrt steht Besuchern nicht bevor, vielmehr erfordert die Strecke höchste Konzentration, Geduld und eine Sondererlaubnis. Schwindelerregende Brücken, enge Felseinschnitte und extrem schmale Streckenabschnitte sorgen für den Angstfaktor sieben, obwohl Unfälle sehr selten sind.

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Die gefährlichste Straße in Australien ist der "Bruce Highway" mit einem Angstfaktor von vier - also eigentlich ein Spaziergang unter den gefährlichsten Straßen der Welt. Die Straße ist 1.500 Kilometer lang und das Hauptrisiko besteht in riskanten Überholmanövern an unübersichtlichen Stellen. Auch mit querenden Känguruhs muss jederzeit gerechnet werden.

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Der "Highway to Hell" - die Route 431 - führt durch Alabama und ist flankiert von Kreuzen für die Unfalltoten, die hier ihr Leben gelassen haben. Schlechte Sicht, plötzliche Spurveränderungen und überhöhte Geschwindigkeit fordern seit jeher ihre Opfer. Seit 2006 wird intensiv daran gearbeitet, die Straße sicherer zu machen, der Angstfaktor liegt aktuell bei vier.

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Die Atacamawüste in Chile ist einer der trockensten Orte der Welt. Durch sie hindurch führt die Ruta 5 und verbindet den Norden mit dem Süden des Landes. Tankstellen gibt es entlang der Strecke nur sehr spärlich, starke Winde machen die Fahrt zu einem Abenteuer. Die eigentliche Gefahr allerdings geht von der ermüdenden Monotonie aus, die eine schnurgerade Straße durch die immer gleiche Landschaft mit sich bringt. Kleine Gedenkstätten am Rand der Strecke erinnern daran, was passiert, wenn die Konzentration nachlässt. Der Angstfaktor liegt bei vier.

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