Ein Tanzsaal, durch den die Geschichte geistert

17. März 2014, 07:28
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Grazer Schauspielhaus feiert 50 Jahre Wiedereröffnung mit Viktor Bodós "Ballhaus"

Graz - Exakt 50 Jahre nach dem 15. März 1964, als Helmut Lohner bei der Wiedereröffnung es Grazer Schauspielhauses als Hamlet auf der Bühne stand, feierte das Grazer Schauspielhaus seinen Geburtstag. Passenderweise mit einem Stück über die Geschichte Europas des ungarischen Theaterstars und Dauergasts in Graz, Viktor Bodó. Seine mit Júlia Róbert erarbeitete Fassung von Das Ballhaus ist Theater ohne Worte.

Bodós Szputnyik Shipping Company und Teile des Grazer Ensembles tanzen von Walzer über Charleston, Tango und modernen Keybordsounds ein Jahrhundert ab. Es beginnt mit einem Vorschlaghammer, der eine Mauer zu einem alten Tanzsaal durchbricht. Dort geben sich Damen und Herren die Ehre, bevor man swingt, in den Krieg marschiert, verschwindet, vergewaltigt wird, hinter dem Eisernen Vorhang landet, foltert und schließlich in der Gegenwart gegen einen gläsernen Vorhang läuft. Die Choreografie von Éva Dudas, die tanzerprobten Ungarn und die Slapstickeinlagen der Grazer Schauspieler greifen kurzweilig und elegant und flink ineinander.

Gerhard Balluch und Isabella Albrecht bereiten als alterndes Liebespaar Freude, Steffi Krautz und Stefan Suske ernten Lacher, wenn sie versuchen, einem obersten Genossen eine Geburtstagsfeier auszurichten, bei der alles schiefläuft. Genauso wie Florian Köhler, der auf einer neureichen Bauernhochzeit von Steirern und Ungarn eines der wenigen Worte des Stücks hervorstößt: Es ist das Hochzeitsgeschenk einer Generation: "A Mikrowööhn".

Ein unterhaltsamer Reigen mit Humor und Raffinesse aber auch weniger Tiefgang, als man ihn bei Bodó schon erleben konnte.

Intendantin Anna Badora feierte nach der Premiere ihr 1776 gegründetes Haus, in dem einst Emanuel Schikaneder und Johann Nestroy spielten mit der Projektion eines Films. In ihm erzählen bekannte Weggefährten und solche, die sonst im Off arbeiten, von den letzten 50 Jahren. Ein Weggefährte, Mime Peter Simonischek, gratulierte mit einer Rede im brechend vollen Redoutensaal. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 17.3.2014)

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