Auch nach Siegen schwer einzuschätzen

16. März 2014, 18:18
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Der gezeigte Kick ist ganz gut

Wien - Laut Michael Angerschmid, er ist der Trainer der Spielvereinigung Ried, schwindelt die Tabelle ein bisserl, sie lügt fast. Nach der 0:1-Niederlage sagte er, dass Rapid den zweitbesten Fußball im Land praktiziere, den besten habe natürlich Salzburg gepachtet. "Mit etwas Geduld kann in Hütteldorf Großes entstehen, ich sehe eine Weiterentwicklung und Potenzial." Prinzipiell geht das Angerschmid wenig bis nichts an. "Aber ich wurde gefragt." Jedenfalls hat Ried eine grandiose Serie verteidigt. Noch nie wurde in der Meisterschaft im Hanappi-Stadion gewonnen, auch die 34. Gelegenheit blieb ungenützt. Manager Stefan Reiter: "Ich hoffe, dass die Hütte endlich niedergerissen wird. Keinen Rapidler würde das so sehr freuen wie mich."

Rapid ist trotz des angeblich zweitbesten Kicks Vierter. Trainer Zoran Barisic findet es kleinlich bis kindisch, nur auf Resultate zu schauen. "Meine Aufgabe ist es, in die Tiefe zu gehen. An der Oberfläche zu kratzen, ist die Sache der Medien. Ich sehe Tag für Tag eine leidensfähige Mannschaft, die dem Druck von außen standhält und die bereit ist, gemeinsam für den Erfolg zu kämpfen." Natürlich wären ihm, Barisic, "fünf oder sechs Punkte mehr lieber. Aber ich habe Freude daran, zu sehen, wie sie sich die Chancen erarbeiten." Rapid habe maximal eine "kleine Ergebniskrise".

Gegen Ried passte das Resultat. Marcel Sabitzer sorgte in der 75. Minute nach vier sieglosen Partien für eine kollektive Befreiung. Der Ball sprang von der Innenstange über die Linie, Barisic interpretierte das so: "Er hat sich lange überlegt, 'soll ich rein oder wieder raus?'" Warum er sich für die erste Variante entschieden hat, konnte Barisic nur erahnen. "Vielleicht wollte er gerecht sein und unseren Fans eine Freude bereiten." Für den 20-jährigen Sabitzer war es erst das dritte Saisontor. "Was soll ich tun, mir wären zehn auch lieber." Für die Treffunsicherheit der Stürmer hatte er eine nicht uninteressante Erklärung. "Vielleicht treffen wir den Ball zu genau." Terrence Boyd gewann der These einiges ab. "Jeder muss ruhig bleiben, darf sich nicht verrückt machen, immerhin erarbeiten wir permanent Chancen." Und dann sagte der US-Amerikaner doch glatt. "Das war ein wichtiger Sieg für ganz Wien."

Rapid ist sowohl Fisch als auch Fleisch. Der Zuschauerschwund ist nicht zu leugnen, gegen Ried sind lediglich 10.200 Fans gekommen. Die haben ihr Team allerdings massiv angefeuert. Vor einem Jahr haben weit mehr geschwiegen. Barisic: "Sie wissen genau, dass momentan ein Fundament gelegt wird und unterstützen uns. Danke dafür."

Die Demut

Die Freude nach dem 1:0 gegen Ried (bei allem Respekt vor dem gesamten Innviertel) war nahezu ausufernd. Auch bei der Mannschaft. Vom Knoten, der nun geplatzt sein könnte, war die Rede. Barisic: "Ich habe keine negativen Gedanken. Solange kann es gar nicht 0:0 stehen, dass ich nicht an einen Sieg glaube." Tritt dieser tatsächlich ein, was zuletzt selten genug der Fall war, "geht es darum, bescheiden und demütig zu bleiben. Denn dann kann man auch im Misserfolg nicht so tief fallen."

Barisic ließ gegen Ried Kapitän Steffen Hofmann bis kurz vor Schluss auf der Bank. Das ist nur für schlichte Gemüter eine Denkmalbeschmutzung. "Ich will ihm helfen, Druck von ihm nehmen. Hätte es nicht geklappt, wäre es meine Schuld gewesen."

Am Samstag kommt der Wolfsberger AC auf Besuch. Gegen die Kärntner hat Rapid noch nie gewonnen (sechs Versuche), die wollen das Hanappi eher stehen lassen. Barisic sagte im Spaß: "Wir zittern schon." Ganz im Ernst versprach er "Torchancen". (Christian Hackl - DER STANDARD, 17.3. 2014)

  • Marcel Sabitzer machte das entscheidende Tor. "Es wäre schön, würde immer ein Treffer zum Sieg reichen."
    foto: apa/neubauer

    Marcel Sabitzer machte das entscheidende Tor. "Es wäre schön, würde immer ein Treffer zum Sieg reichen."

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