Die Selbstherrlichkeit bei Kunst- und Theaterchefs

Kolumne16. März 2014, 18:13
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Der künftige Burgtheaterdirektor sollte der künstlerische Leiter dieses Welttheaters sein, der kommerzielle Chef müsste die Befugnis haben, Produktionen und Events zu verhindern, die budgetäre Grenzen überschreiten

Die fristlose Entlassung des künstlerisch erfolgreichen Burgtheaterdirektors Matthias Hartmann ist im österreichischen Kulturgeschehen der letzten zehn Jahre kein Einzelfall. Der erste Fall allerdings in einem Bundestheater. Die drei anderen betrafen zwei Bundesmuseen und ein Museum des Landes Wien. In allen vier Fällen hatten die Vorwürfe mit der kommerziellen Verantwortung zu tun.

Wilfried Seipel, der das Kunsthistorische Museum bis Ende 2008 geleitet hat, betrieb seine Geschäftsführung recht locker: Er verkaufte seinen Pkw an das Museum, er erhöhte seine Bezüge um das Vierfache und bezahlte dafür jahrelang keine Steuern. Er veranstaltete eine Geburtstagsfeier für den damaligen Minister und er legte laut Rechnungshof "exorbitant hohe Restaurantrechnungen".

Gegen Peter Noever, der von 1986 bis 2011 künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Museums für angewandte Kunst (Mak) war, wurden vor allem hohe Reisekosten ins Treffen geführt - binnen zehn Jahren seien sie um über 700 Prozent gestiegen. Für private Geburtstagsfeiern habe der Mak-Chef, so der Rechnungshof, 172.000 Euro ausgegeben.

Auch Gerald Matt, der im März 2012 als Direktor der Kunsthalle Wien suspendiert wurde, konnten keine strafrechtlich relevanten Vergehen nachgewiesen werden. Gleichzeitig wurde Matt vom Vorstand der Kunsthalle aber das Vertrauen ausgesprochen. Der Betreiber des Matt-Rückzugs, der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl musste sich nie rechtfertigen.

Was alle drei in Turbulenzen geratenen Museumsmanager nicht verheimlichen konnten und können, ist ihr autoritäres Amtsverständnis, das vor allem der engere Mitarbeiterkreis zu spüren bekam. Strafrechtlich relevant war und ist auch das nicht.

Jetzt, bei Matthias Hartmann, scheinen die Kritikpunkte substanzieller zu sein. Deutlich überhöhte Regiehonorare, steuerliche Fragen im Zusammenhang mit einem bar ausbezahlten Starthonorar für die Burg. Und - da ist der Vorwurf wieder - autoritäres Gehabe und Desinteresse für kommerzielle Aufgaben. Jene Gutachten, die zur "Fristlosen" führten, müssen freilich gut begründet sein.

Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit sind Punkte, die man in Kenntnis der kritisierten Persönlichkeiten bekritteln muss. Sie haben erheblich zu den Querelen beigetragen.

In Kunst und Kultur ist Demokratie ein schwer anwendbares Führungsmodell. Vertragstreue, Sinn für vertretbare Kosten und Rücksicht auf menschliche Würde können hingegen auch von Künstlern verlangt werden.

Alle diese Fälle und Vorfälle fordern die Politik. Es sollten für Spitzenmanager der österreichischen Staatskultur keine Verträge abgeschlossen werden, die 1. Gehälter höher als beim Bundeskanzler vorsehen, 2. Künstlerisches und kommerzielles Management vermischen, 3. Nebentätigkeiten nicht ganz genau regeln.

Der künftige Burgtheaterdirektor sollte der künstlerische Leiter dieses Welttheaters sein, der kommerzielle Chef müsste die Befugnis haben, Produktionen und Events zu verhindern, die budgetäre Grenzen überschreiten. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 17.3.2014)

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