Online-Werber warnen vor zu strengem Datenschutz

16. März 2014, 09:44
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Könnte die Branche "über Gebühr schädigen", so Anton Jenzer, Chef des Dialog Marketing Verbandes Österreich

Der Consulter und Chef des Dialog Marketing Verbandes Österreich, Anton Jenzer, sieht die Gefahr, dass Online-Werbung durch besonders strengen Datenschutz "über Gebühr geschädigt" werden könnte. Dies vor allem, wenn es zu einer nicht konkret formulierten entsprechenden EU-Verordnung käme. Er sagt auch, dass derzeit Autowerbung nur mehr online wächst.

Datensicherheit nicht gleich Datenschutz

Grundsätzlich dürfe Datensicherheit nicht mit Datenschutz verwechselt werden, waren sich Jenzer und seine Diskussionspartner bei der Veranstaltung "frei(handel)szone" des Handelsverbandes dieser Tage einig. Grundsätzlich wurde dabei unter anderem allerdings klar, dass (Online-)Händler ganz andere Sorgen haben, als den Datenschutz - nämlich ihre Produkte und ihre Preise, damit diese so gut wie möglich verkauft werden.

Mangelhafte Definitionen

Erst vergangene Woche passierte die EU-Datenschutz-Grundverordnung, die die Regeln für die Verarbeitung und den Schutz von personenbezogenen Daten EU-weit vereinheitlichen soll, die erste Lesung im EU-Parlament. Der Begriff "profiling" werde darin "mangelhaft definiert", so Jenzer. Jeder führe Listen über seine Kunden. "Sind das schon Profiling-Daten?", fragte Jenzer. Und wenn eine Zustimmung für die Aufzeichnung nötig ist - "wie soll die Zustimmung ausschauen?" Bisher seien diese Definitionen "unzureichend gelöst", kritisierte der Consulter.

Keine schnelle Einigung

Mit einer schnellen Einigung ist laut der ehemaligen Leiterin der Datenschutzabteilung im Bundeskanzleramt, Waltraut Kotschy, aber keineswegs zu rechnen. "Im EU-Rat wird die Verordnung schwer umkämpft, denn die Länder haben hier sehr unterschiedliche Haltungen."

Zielgerichtete Werbung

"Google ist für die User gratis. Aber die Werbung bezahlt die Nutzung in Wahrheit", so Jenzer. Wenn man keine zielgerichtete Werbung mehr auf Basis von Cookies und ähnlichen Technologien gewährleisten könne, würden die Auftraggeber weniger bezahlen, was natürlichweitere Auswirkungen hat. "Niemand ist gegen Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre, aber hier geht es auch um die Möglichkeiten und die Rechte der Wirtschaft", sagte Jenzer. Cookies sind allerdings in einer eigenen Richtlinie geregelt - die laut Kotschy allerdings nicht ganz so klar formuliert ist.

Spannungsfeld

Gudrun Liska, Marketingchefin von Palmers - die Firma zählt 330.000 Kunden mit Clubkarte, davon 80 Prozent in Österreich - meinte, es geben ein Spannungsfeld zwischen zielgruppengenauer Werbeansprache potenzieller Kunden und Anonymität. Es gehe aber um immer konkretere und passendere Ansprachen in Zeiten sinkender Budgets, gab sie zu bedenken.

Opt-in wird kritisiert

Wichtige Grundlage für die Verwendung persönlicher Daten ist die Einwilligung des Kunden. Jenzer sieht das locker - beim Fernsehen gebe man auch keine Einwilligung, dass ein Werbeblock kommt. Bei der Zustimmung geht es um eine ausdrückliches "Opt-In" (explizite Einwilligung) - meinen strenge Datenschützer. Eine "konkludente" Variante ist die Möglichkeit eine "Opt-Out", also das nachträgliche Entfernen-Lassen aus einem Verteiler. (APA, derStandard.at, 16.3.2014)

  • Online-Werber würden indirekt für das kostenlose Google-Angebot bezahlen, so Consulter Anton Jenzer
    foto: ap/jacques brinon

    Online-Werber würden indirekt für das kostenlose Google-Angebot bezahlen, so Consulter Anton Jenzer

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