Das Peter-Prinzip in Österreichs Regierung

Blog15. März 2014, 15:11
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Die einst erfolgreiche Frauenministerin Heinisch-Hosek ist in ihrem neuen Amt überfordert – so wie einige andere

"In a hierarchy, every employee tends to rise to his level of incompetence" – In einer Organisation steigt man so lange auf, bis man eine Position erreicht hat, in der man völlig überfordert ist.

Das Peter-Prinzip des US-kanadischen Pädagogen Lawrence Peter aus dem Jahr 1968 ist eine der klügsten Erkenntnisse über große Organisationen der vergangenen Jahrzehnte. Und es lässt sich derzeit hervorragend in der österreichischen Politik beobachten.

Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ= war eine eloquente Frauenministerin und kompetente Beamtenverhandlerin. In ihrem neuen Amt im Unterrichtsministerium ist sie bereits nach wenigen Wochen gescheitert. Die Datenleck-Affäre rund ums Bifie hat sie zunächst in ihren Auswirkungen unterschätzt und hat dann in einer Gegenreaktion überreagiert – mit höchst negativen Folgen für das Bildungssystem.

Schädliche Pisa-Absage

Heinisch-Hoseks Absage an Pisa-Tests wird Österreichs Schulwesen auf Jahre schädigen, weil die internationalen und die zeitlichen Vergleichszahlen fehlen, um zu wissen, wo man wirklich steht. Die Entscheidung ist so unverständlich, so irrational, dass man insgesamt um die Zukunft der Schulpolitik unter ihrer Führung fürchten muss.

Zwei Erklärungen für Heinisch-Hoseks Verhalten machen derzeit die Runde. Entweder haben sie die Angriffe der Lehrergewerkschaft auf ihre Person nach dem Datenleck so erschüttert, dass sie jetzt keinerlei Risiko eingehen will. Dann ist sie mental für den Job ungeeignet.

Oder sie hat einen Vorwand gesucht, um aus den Pisa-Tests in ihrer Amtszeit auszusteigen, weil sie nicht will, dass schlechte Ergebnisse ihr zugerechnet werden. Dann ist sie berechnend, manipulativ, und aus Karrieregründen bereit, dem Land Schaden zuzufügen – also moralisch für das Amt ungeeignet.

Beides zeigt: Sie wäre besser Frauen- und Beamtenministerin geblieben.

Spindeleggers Überforderung

Auch Michael Spindelegger ist ein lebender Beweis für das Peter-Prinzip, wobei bei ihm noch nicht klar ist, wann er eigentlich seine Stufe der Unfähigkeit erreicht hat – erst als Finanzminister oder bereits durch die Berufung zum ÖVP-Parteichef vor drei Jahren.

Weitere Beispiele: Beatrix Karl war einst eine solide ÖAAB-Generalsekretärin und dann als Wissenschaftsministerin leicht, als Justizministerin schwer überfordert.

Für den einst sehr erfolgreichen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos war der Eintritt ins Verteidigungsministerium der Beginn der Überforderung. Seine Rückkehr in sein früheres Parteiamt hat ihn vom Fluch des Peter-Prinzip befreit.

Maria Fekter war als Innenministerin zwar umstritten, aber galt als durchaus kompetent. Das Finanzministerium war ihr eine Nummer zu groß.

Einige machen die Arbeit

Aber das Peter-Prinzip hat auch seine positive Seiten. „Die Arbeit wird von denen erledigt, die ihre Stufe der Unfähigkeit noch nicht erreicht haben“, heißt es in einem Zusatz.

Das gilt in der Regierung etwa für Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Aber auch bei ihnen lauern, wenn man Spekulationen glauben soll, Gefahren. Hundstorfer könnte als zukünftiger Wiener Bürgermeister, Mitterlehner als Finanzminister (das ist überhaupt ein fürs Peter-Prinzip anfälliges Amt) den Punkt der Überforderung erreichen.

Und einer entzieht sich bisher überhaupt dem Peter-Prinzip. Sebastian Kurz hat bisher jede Karrierestufe gemeistert, auch die des Außenministers. Allerdings ist er bereits als neuer ÖVP-Chef  im Gespräch. Und dann wäre er ein echter Spitzenkandidat für das Peter-Prinzip. (Eric Frey, derStandard.at, 15.3.2014)

  • Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) stehen auf dem Überforderungsindex derzeit ganz weit oben.
    foto: apa/schlager

    Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) stehen auf dem Überforderungsindex derzeit ganz weit oben.

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