Öffentliche Stellen warben 2013 um 201 Millionen Euro

15. März 2014, 09:59
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Daten über 4. Quartal 2013 veröffentlicht: 55 Millionen Euro im letzten Jahresviertel - Ministerien kappten nach Wahlquartal drastisch um fast zwei Drittel - Wien buchte im 4. Quartal für rund 8,6 Millionen

Die Medienbehörde veröffentlichte am Samstag die jüngsten Quartalsdaten nach dem Medientransparenzgesetz. Im letzten Jahresviertel 2013 investierten Ministerien, Länder, öffentliche Firmen und Institutionen 55,3 Millionen Euro in Werbeschaltungen. Im Quartal davor mit der Nationalratswahl für 45 Millionen. Im vierten Quartal 2012 buchten sie noch für gut 65 Millionen Euro.

Mit dem vierten Quartal ist auch das erste volle Kalenderjahr nach dem Medientransparenzgesetz gemeldet: 2013 waren es damit rund 201 Millionen Euro.

Die Daten dürften einen wesentlichen Teil öffentlicher Werbetätigkeit repräsentieren, aber kein komplettes Bild liefern: Werbung in Beilagen, die seltener als viermal jährlich erscheinen, ist nicht zu melden. Sie erleben eine besondere Konjunktur, seit das Medientransparenzgesetz in Kraft trat. Nicht periodische Werbeträger wie Plakat sind ebenfalls nicht erfasst. Die gebuchten und gemeldeten Medien wurden von der Redaktion, soweit erkenn- und nachvollziehbar Medienhäusern zugeordnet.

Ministerien kappten drastisch

Die Bundesministerien (ohne Firmen und Institutionen) warben im vierten Quartal 2013 laut Meldungen für 2,87 Millionen Euro - noch ohne Firmen unter ihrer alleinigen Kontrolle. Ein drastischer Rückgang gegenüber dem dritten Quartal 2013 mit den Nationalratswahlen und damals zusammen rund 7,9 Millionen Euro.

Die aktuelle Ministerienwertung (ohne Firmen) für das vierte Quartal: Kanzleramt mit rund 735.000 Euro vor dem Verteidigungsministerium mit rund 473.000 und dem Innenministerium mit 373.000. Das Bildungsministerium buchte für 354.000, das Finanzministerium für gut 241.000, Landwirtschaft für 215.000, Infrastruktur 193.000 und Wissenschaft mit 155.000. Wirtschaft, Äußeres, Soziales und Gesundheit blieben jedenfalls ohne Zuordnung fünfstellig.

Die größten Einzelbuchungen: "Heute", "Krone", "Kurier"

Die größten Einzelbuchungen einer öffentlichen Stelle in einem Medium kamen auch im vierten Quartal 2013 von der Stadt Wien: 1.007.101,55 an "Heute", 906.552,37 an die "Krone" und "Kurier" mit 492.000.

8,6 Millionen aus Wien - "Heute" vor "Krone"

Die Stadt Wien ist traditionell größter öffentlicher Bucher. 8,67 Millionen Euro gaben sie und die Firmen in ihrem Alleineigentum im vierten Quartal 2013 für Werbung aus. Die von ihr bestgebuchten Medien laut Meldungen an die Medienbehörde: "Heute" mit rund 1,3 Millionen Euro. "Krone" mit gut 1,1 Millionen. Mediengruppe Österreich mit 761.000, Verlagsgruppe News mit 660.000. "Kurier" 607.000. Das Echo Medienhaus stand damals gerade noch unter direkterer Wiener SPÖ-Kontrolle und erhielt 586.000 Euro. Bohmann, traditionell SP-nahe rund 368.000. Im ORF buchte Wien für 306.000 Euro, in der STANDARD-Gruppe für fast 216.000 und im "Gewinn" für knapp 167.000 Euro.

Die Länder-Charts

Die übrigen Länder gemeinsam (auch mit Firmen im Alleinbesitz gerechnet) kommen auf rund die Hälfte der 8,67 Millionen aus der Hauptstadt: Niederösterreich auf Rang zwei in den Ländercharts warb im vierten Quartal 2013 für rund 1,5 Millionen Euro. Oberösterreich für 1,2 Millionen, Tirol für knapp 580.000, die Steiermark für 556.000. Vorarlberg schob sich mit 304.000 auf den fünften Platz vor Salzburg (106.000), Burgenland (93.000) und Kärnten (68.000). In Summe sind das rund 13,1 Millionen Euro.

Die Kammern

Die Wirtschaftskammer mit allen Fachverbänden und Landesorganisationen buchte und meldete im vierten Quartal Werbung für 5,8 Millionen Euro. Die Arbeiterkammern meldeten insgesamt rund 1,6 Millionen. Ärztekammer: 175.000, Rechtsanwälte 112.000, Landwirtschaftskammern 110.000.

Große Firmen

Hier noch die gemeldeten Werbedaten für einige große Firmen samt zuordenbaren Beteiligungen: Die ÖBB buchten im vierten Quartal 2013 für rund 2,7 Millionen Euro. Die größten ÖBB-Budgets gingen an "Krone" (441.000), Mediengruppe Österreich (339.000), ORF (315.000), "Heute" (248.000) und Verlagsgruppe News (229.000)

Der Verbund für gut 1,9 Millionen. Die Wien Energie für rund 1,3 Millionen Euro. Agrarmarkt Austria investierte knapp 1,2 Millionen. Die Asfinag rund 614.000.

Die Medienkonzerne

In der Konzernwertung liegt die Mediaprint (u.a. mit "Krone", "Kurier", Mediaprint, Kronehit) bei gut 7,7 Millionen Euro im vierten Quartal 2013. Der ORF kommt mit seinen Medien auf gut 6,5 Millionen Euro gemeldete öffentliche Werbebuchungen. Auf die die Styria (u.a. "Kleine Zeitung", "Die Presse", "Wirtschafsblatt", Styria Multi Media) entfallen in diesem Jahresviertel rund 4,2 Millionen Euro öffentliche Werbung - noch ohne ihre 50 Prozent an den Gratiswochenzeitungen der RMA, in denen öffentliche Stellen 1,3 Millionen verbuchten, und ohne die "Bundesländerinnen"-Magazine. Die Mediengruppe um "Österreich" gemeldet und zuordenbar auf knapp über 3 Millionen Euro. Die Verlagsgruppe News auf fast 2,7 Millionen.

Die STANDARD-Gruppe erhielt nach diesen Daten fast 1,4 Millionen Euro. "Die Presse" kommt auf gut 1,7 Millionen, ihre Schwester "Wirtschaftsblatt" auf rund 281.000.

Die "Krone" kommt ohne Mediaprintpartner"Kurier" auf rund 5,5 Millionen Euro, die Mediengruppe um "Heute" von Stiftungen Eva Dichands und aus dem SPÖ-Umfeld auf fast 3,2 Millionen Euro.

Eine Million für Google

Google (inklusive Youtube) buchten öffentliche Stellen im vierten Quartal 2013 für gut eine Million Euro. Mehr als etwa Echomedia. Facebook kam in dem Quartal auf 223.000 Euro. (flog, fid, derStandard.at, 15.3.2013)

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