Skandal um Tintifax

Kolumne14. März 2014, 17:00
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Kommt nach der Burg- die Kasperltheaterkrise?

Krisen, so weit das Auge reicht. Nicht genug mit der Hypo-Krise, die uns unser Grölaz (größter Landeshauptmann aller Zeiten) Jörg eingebrockt hat. Nein: Jetzt haben wir zudem eine fette Kulturkrise am Hals. Am Burgtheater geht es drunter und drüber, Ostermayer feuert, Hartmann hadert, das Ensemble sudert, und wenn nun noch die Philharmoniker und die Staatsoper zu schwächeln beginnen, können wir uns den Titel "Kulturnation" getrost in den Kamin schreiben.

Wie beruhigend, dass wenigstens das Kasperltheater tadellos funktioniert. Das Kasperltheater ist bekanntlich die typischste nationale Kunstform und ein Fixpunkt in der Sozialisation jedes österreichischen Kindes.

Das Personal - Kasperl himself, Pezi, Zauberer Tintifax, Krokodil etc. - spiegelt die österreichische Gesellschaft getreu im Kleinen wider. Kein Wunder, dass selbst der Bundeskanzler im Tonfall des Kasperls redet, oder dass jeder Österreicher, der Ernst Strasser zu sehen bekommt, auf der Stelle an Strolchi denkt. Das Kasperltheater ist die österreichische Institution schlechthin.

Könnte auch dem Kasperltheater tendenziell Ungemach dräuen? Wir wollen es nicht hoffen, aber natürlich wären selbst hier üble Fehlentwicklungen denkbar. Ein Worst-Case-Szenario: Die österreichische Kasperltheater-Holding kommt ihrer Aufsichtspflicht nur ungenügend nach und übersieht, dass sich der Direktor der "Kasperlbühne Tintifax" für die Neuinszenierung des Klassikers Die verschwundene Knackwurst ein Honorar hat auszahlen lassen, das Kenner der Kasperltheaterszene für leicht überzogen halten.

Bei einer externen Revision der "Tintifax"-Geschäftsgebarung durch die auf Kasperltheater spezialisierte Wirtschaftsprüfungskanzlei "Krawuzikapuzi and Partners" stellt sich heraus, dass das Krokodil eine Art Parallelbuchhaltung aufgebaut hat, von der bisher niemand wusste.

Im Ensemble kommt Stress auf. Kasperl, Pezi und die Großmutter sprechen dem Theaterdirektor das Misstrauen aus ("Hände weg! Wir lassen nicht mehr mit uns spielen!"). Auch das künstlerische Niveau sinkt: Die Aufführung der Verschwundenen Knackwurst (mit Großmutter in Straps und Pezi in SS-Uniform) wird zu einem Riesenskandal.

Eine staatsgefährdende Schreckensvision? Na, aber hallo! Und was für ein Glück, dass bisher nur das Burg- und nicht das Kasperltheater in der Krise steckt. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 15./16.3.2014)

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