Vorarlberg startet Projekt für mehr Frauen in der Gemeindepolitik

14. März 2014, 13:08
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Unvereinbarkeit mit Familienarbeit sowie mangelndes Selbstvertrauen als größte Hemmschuhe für politische Aktivität von Frauen

Bregenz - Im Vorfeld der Vorarlberger Gemeindevertretungswahlen 2015 wollen das Land und das Frauennetzwerk Vorarlberg mehr Frauen dazu ermutigen, sich in der Gemeindepolitik zu engagieren. Hemmnisse sind dabei nach wie vor die mangelnde Vereinbarkeit von Familienarbeit und Politik sowie geringes Selbstvertrauen. Mit Workshops und einem Lehrgang sollen Frauen nun besser unterstützt werden.

Im Vorarlberger Landtag liegt der Frauenanteil derzeit bei 33 Prozent, die Landesregierung besteht zu 28,6 Prozent aus Frauen. Von den rund 1.790 GemeindevertreterInnen sind nach den vergangenen Wahlen 2010 rund 370 Frauen, also 20,7 Prozent. 1991 waren es gerade einmal 9,1 Prozent. Frauen-Landesrätin Greti Schmid (ÖVP) sah dennoch Handlungsbedarf. Selbst wenn man mit einem Bürgermeisterinnenanteil von 6,3 Prozent leicht über dem Österreichschnitt liege und zudem den höchsten Anteil an Vizebürgermeisterinnen aufweise, sei das "noch zu wenig". Eine politische Beteiligung der Frauen sei "unverzichtbar".

Frauen fühlen sich gut vertreten

Laut Kiki Karu, Sprecherin des Frauennetzwerks, fühlten sich Frauen laut einer Befragung überraschenderweise auch von Männern gut vertreten. Viele Frauen wüssten über die Abläufe der Kommunalpolitik wenig Bescheid. Aktiv würden sie vor allem, wenn sie persönlich betroffen seien. Als Hindernisse für eine politische Tätigkeit wurden die fehlende Akzeptanz für politisch aktive Frauen, die Furcht vor Machtspielchen und Ellbogentaktik, eine kritische Einstellung zu einer Parteizugehörigkeit sowie mangelndes Selbstvertrauen genannt. Gerade Frauen mit kleinen Kindern erklärten zudem, neben Hausarbeit und Beruf zu wenig Zeit zu haben. "Hier müssen wir auch die Väter mehr in die Pflicht nehmen", so Kiki Karu.

Wählbare Listenplätze

Neben dem Zuspruch aus dem privaten Umfeld brauche es eine verstärkte Vernetzung, etwa durch einen politischen Frauenstammtisch, der einen Austausch mit politisch aktiven Frauen ermögliche. Wichtig sei, dass PolitikerInnen Frauen aktiv auf eine Kandidatur ansprechen, "das hätte großen Einfluss", betonte Kiki Karu. Parteien müssten Frauen dann aber auch auf wählbare Listenplätze setzen. "Frauen brauchen Vorbilder, Mitstreiterinnen, die Akzeptanz der Politik und der Bevölkerung", fasste Frauenreferatsleiterin Monika Lindermayr, zusammen. In Workshops, etwa zu Grundregeln der Gemeindepolitik und Rhetorik, sowie im Lehrgang "Fit für die Politik" sollen Frauen auf die konkrete politische Arbeit vorbereitet werden. Ein vergleichbares Projekt gab es in Vorarlberg bereits vor der Gemeindevertretungswahl 2010. (APA, 14.3.2014)

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