Abschied vom Übervater

Kommentar14. März 2014, 11:49
99 Postings

Der Rücktritt von Uli Hoeneß ist eine Chance für den FC Bayern München

Die Geschwindigkeit, mit der Uli Hoeneß für "Breaking News" sorgt, ist wahrlich atemberaubend. 3,5 Millionen Euro, 18,5 Millionen Euro, 27,2 Millionen Euro, 28,5 Millionen Euro - seit Montag stiegen seine Steuerschulden schneller als der DAX in guten Tagen. Gestern folgte die Verurteilung zu 3,5 Jahren Haft. Und heute der nächste Knaller: Hoeneß legt beim FC Bayern München alle Ämter zurück, geht doch nicht in Revision, sondern akzeptiert die Gefängnisstrafe.

Man kann sich gut vorstellen, wie groß die Erleichterung bei jenen Big Playern ist, deren Vertreter ebenfalls im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzen beziehungsweise den Fußballklub sponsern. Die Deutsche Telekom, Audi, Adidas, VW, die Allianz - sie alle haben ihre Compliance-Regeln, treten für saubere Unternehmensführung und korrektes Wirtschaften ein.

Rückzug war unausweichlich

Eigentlich hätte Hoeneß schon in dem Moment gehen müssen, in dem er die Steuerhinterziehung selbst eingeräumt hat. Spätestens am Tag der Anklageerhebung wäre ein Rückzug dann unausweichlich gewesen. Aber Hoeneß und der FCB haben immer noch geglaubt, sie könnten sich ihre eigenen Regeln machen. Und all die Wirtschaftsbosse, die sich so gern mit ihm in der Ehrenloge fotografieren haben lassen, waren zu feig, ihn zum Rückzug zu drängen. Weil der Uli ja eigentlich so ein lieber Mensch ist, die Seele des erfolgreichen Vereins, der bayerische Patriarch, dessen Fans so a bisserl Steuerschuld nicht groß stört - Hauptsache, es fallen Tore, und die Bayern siegen am Fußballfeld.

Dem Verein geht es jetzt ein wenig wie die der CDU nach der Spendenaffäre von Helmut Kohl. Er muss ohne den Übervater auskommen, neu laufen lernen. Für viele noch schwer vorstellbar, aber es geht nicht anders. Darin liegt auch eine Chance, denn der Wirbel, der irgendwann auch Topspieler belastet, ist nun vorbei.

Es mag Hoeneß ein kleiner Trost sein, dass er seinen Verein in einer wirtschaftlichen und sportlichen Blütezeit verlässt. Der Dank der Fans ist ihm gewiss. Mit seiner Entscheidung, die Haftstrafe zu akzeptieren, erspart er sich nicht nur ein weiteres quälendes juristisches Verfahren, sondern macht reinen Tisch und zeigt damit jene Größe, die man früher bei ihm öfter vermisst hat. (Birgit Baumann, derStandard.at, 14.3.2014)

Share if you care.