Elterliche Fürsorge vor 450 Millionen Jahren

16. März 2014, 16:18
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Forscher finden im US-Bundesstaat New York Fossilien von winzigen Muschelkrebsen, die ihre Eier ausbrüteten

Albany - Fast eine halbe Milliarde Jahre alt ist ein Familienbild in Stein, das ein internationales Forscherteam im US-Bundesstaat New York ausgegraben hat. Es handelt sich um Fossilien einer bislang nicht bekannten Spezies von Ostrakoden bzw. Muschelkrebsen, einer heute noch weltweit in Meeren wie Flüssen vertretenen Gruppe von Krebstieren. Ihr Name rührt von Ausfaltungen des Kopfes her, die außen mineralisieren und eine an Muscheln erinnernde Schale bilden.

Ostrakoden reichen von weniger als einem Millimeter bis zu wenigen Zentimetern Körpergröße. Die nun in 450 Millionen Jahre alten Ablagerungen gefundenen Exemplare einer bisher unbekannten Ostrakoden-Art waren zwei bis drei Millimeter groß. Die Spezies aus dem Ordovizium erhielt die Bezeichnung Luprisca incuba, was die Forscher um David Siveter von der Universität Leicester von der altrömischen Göttin Lucina ableiten, dem Aspekt der Göttermutter Juno als Geburtshelferin.

Brutpflege in der Altvorderenzeit

Der Zusatz "incuba" (von "brüten") macht noch deutlicher, was das Besondere an diesen Fossilien ist: Bei einigen besonders gut erhaltenen Exemplaren sind außer den Schalen sowohl Gliedmaßen als auch Eier zu erkennen. Nach Meinung der Forscher handelt es sich um Elterntiere, die ihre Nachkommen ausbrüteten. Ein Indiz dafür ist, dass auch heute manche Ostrakodenarten ihren Nachwuchs eine Zeitlang bei sich in ihrer schützenden Schale behalten.

Siveter spricht von einem sehr seltenen und aufregenden Fund, da es nur wenige Fossilien gibt, bei denen Elterntiere und Eier gemeinsam erhalten geblieben sind. Ein solcher Fund aus der Gruppe der Dinosaurier führt einst zu einem historischen Missverständnis: Der Theropode Oviraptor hat für alle Zeiten den Namen "Eierdieb" weg. 1923 wurde ein Skelett des kreidezeitlichen Dinosauriers neben einem fossilen Gelege entdeckt, die Konstellation als versuchte Nestplünderung interpretiert. Heute sieht man darin ein Elterntier und einen Beleg für die fürsorgliche Brutpflege bei Dinosauriern. (red, derStandard.at, 15. 3. 2014)

  • Ein 450 Millionen Jahre altes Fossil von Luprisca incuba zeigt die Gliedmaßen eines brütenden Elterntiers und die Eier (unten im Bild), aus denen kein Nachwuchs mehr schlüpfen sollte.
    foto: siveter, david j., tanaka, g., farrell, c. ú., martin, m.j., siveter, derek j & briggs, d.e.g.

    Ein 450 Millionen Jahre altes Fossil von Luprisca incuba zeigt die Gliedmaßen eines brütenden Elterntiers und die Eier (unten im Bild), aus denen kein Nachwuchs mehr schlüpfen sollte.

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