Russland: Sanktionen als "Katastrophe" für Österreich

Analyse14. März 2014, 05:30
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Krim-Krise: Interessenlage der Großmächte verheißt für Banksektor nichts Gutes

Wien - Auf dem Spielbrett sind die Karten klar verteilt. Wenn sich Russland tatsächlich auf einen Wirtschaftskrieg mit der EU einlässt, kann das Land den Zahlen nach nur verlieren. Denn die russische Föderation ist nach wie vor ein wirtschaftspolitischer Zwerg.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union beträgt 21,5 Billionen US-Dollar (15,5 Billionen Euro). Das ist fast siebenmal mehr, als das russische BIP laut den aktuellen Zahlen vom Internationalem Währungsfonds.

Auch Russlands Anteil an der Weltwirtschaft ist mit gerade drei Prozent im Vergleich zum Anteil der EU (19 Prozent) marginal. Rechnet man noch die US-Wirtschaftskraft hinzu, kann Russland angesichts der Übermacht des Westens in der Krim-Krise eigentlich nur passen.

Dennoch deutete sich auch am Donnerstag keine Entspannung im Krim-Konflikt an. Die Industriestaatenorganisation OECD stoppte die Verhandlungen mit Russland über einen Beitritt. EU-Politiker bekräftigten ihre Drohung mit einem mehrstufigen Sanktionsmodell. Im ersten Schritt will man gezielte Kontosperren und Einreiseverbote für Russen verhängen. Dann könnten Wirtschaftssanktionen folgen.

Die russische Staatsführung zeigt bisher unbeeindruckt und reagierte mit Gegendrohungen. Russlands stellvertretender Wirtschaftsminister Alexej Lichatschow meinte am Donnerstag, eventuelle Sanktionen von USA und EU mit Maßnahmen im gleichen Umfang zu erwidern.

Tatsächlich hat auch Russland die Möglichkeit, der EU gehörig weh zu tun:

  • So ist Europa von russischen Öl- und Gaslieferungen abhängig. Etwa ein Drittel der Importe in der EU kommen aus Russland.
  • Daneben gibt es einige Unionsländer, insbesondere Deutschland, die äußerst aktiv im Exportgeschäft mit Russland sind. Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von 36 Milliarden Euro nach Russland. Das ist zwar weniger, als etwa der Warenexport nach Österreich (56 Milliarden Euro). Ein Einbruch in den Geschäftsbeziehungen würde dennoch viele westliche Unternehmen schmerzen. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch warnte am Donnerstag vor Belastungen im Russland Geschäft, sollte sich der Konflikt um die Ukraine verschärfen. Die Kursschwankungen beim Rubel angesichts der Krise wirkten sich bereits negativ auf den VW-Firmenwert in Russland aus. VW hat im russischen Kaluga ein Werk mit über 5000 Beschäftigten. 2013 lieferte der Konzern 300.000 Fahrzeuge in Russland aus.
  • Doch nicht nur Exporte wären im Ernstfall gefährdet. Zahlreiche europäische Unternehmen haben in Russland investiert. Nach langen Jahren der Stagnation hat Russland 2013 den Sprung nach vorne angetreten. Laut UN-Handelsorganisation Unctad haben im vergangenen Jahr nur die USA und China noch mehr ausländische Direktinvestitionen angezogen als Russland. Dazu beigetragen hat vor allem der britische Konzern BP, der 20 Prozent am russischen Erdölgiganten Rosneft erwarb und damit zum größten Auslandsinvestor in Russlands Energiesektor aufstieg. Größter Auslandsinvestor in Russland bleiben nach wie vor die USA.
  • Ein Wirtschaftskrieg zwischen Russland und dem Westen könnte schließlich den Finanzsektor treffen. Das Problem aus österreichischer Sicht ist, dass Sanktionen hier am wahrscheinlichsten erscheinen, wenn man die Interessenslage analysiert. Im Energiesektor beruhen die Abhängigkeiten auf Gegenseitigkeit, weil Russland die Devisen und Europa Gas und Öl braucht. Im Handel und bei den Investitionen könnten sich große Länder wie Deutschland, Großbritannien und die USA die Finger verbrennen.

Im Finanzsektor erscheint kein westliches Land so verwundbar wie Österreich. Kreditinstitute wie die Swedbank, KBC aus Belgien oder die spanische Santander und Barclays (Großbritannien) haben sich aus Russland teilweise zurückgezogen. Die deutschen Banken haben nie einen Expansionskurs in der Region verfolgt. Stark präsent ist die französische SocGen, die in Russland aber mit schwächelndem Geschäft kämpft.

Bleiben die österreichischen Player Raiffeisen Bank International und Bank Austria, für die Russland in Osteuropa zum wichtigsten Partnerland geworden ist. "Finanzsanktionen gegen Russland könnten eine Katastrophe für Österreich sein", sagt der Ökonom Wasily Astrow wegen der zu erwartenden Einbußen.

Umgekehrt hätte Russland im Finanzsektor wenig zu verlieren: die beiden russischen Marktführer Sberbank und VTB sind staatlich dominiert. (András Szigetvari, 14.3.2014)

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