Pisa-Studie ohne Österreich: Fehler-Domino

Kommentar13. März 2014, 18:03
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Ein ministerielles Nein bleibt ein Nein, auch wenn ein Ja sachlich richtig wäre

Sie will sie einfach nicht, egal, welche Exit-Strategien noch vorgeschlagen werden: Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) beharrt auf ihrem überstürzten Stopp für die Pisa- und TIMSS-Studie. Weil: "Datensicherheit". Vor allem aber: Jetzt geht es ihr auch um "Konsequenz". Oder ums Prinzip. Ein ministerielles Nein bleibt ein Nein, auch wenn Ja sachlich richtig wäre. Dafür ist Heinisch-Hosek bereit, einen sehr hohen Preis zahlen zu lassen. Denn ihre Bestemmpolitik verursacht enorme Kosten: finanzielle und (bildungs-)politische.

Dass sie das Angebot des Fachbereichs Erziehungswissenschaft der Uni Salzburg, der bis 2008 die Pisa-Studie für die OECD durchgeführt hat, so barsch zurückweist und wieder zum zunehmend ominösen "Datensicherheit" -Argument greift - es sollte im Ministerium bekannt sein, dass Pisa nur anonyme Stichproben zieht -, ist ein Fehler von vielen in dieser Causa. Sie hat nicht nur ein paar Feldtests zu Fall gebracht, sondern ein modernes Politikverständnis, das vielerorts selbstverständlich ist: Gute Politik braucht wissenschaftliche Daten und internationale Vergleiche.

Am Minoritenplatz spielt man lieber Fehler-Domino. Die Frage ist, wer wird der letzte Stein sein, der fallen muss, damit endlich der erlösende Siegesruf "Die Daten sind sicher!" erschallen kann? Bis dahin gilt: Die Unterrichtsministerin gibt "testfrei". Den Schülern, den Lehrern. Vor allem sich selbst. Ein Land im schulpolitischen Wachkoma. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 14.3.2014)

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