Hypo Alpe Adria könnte unter Kuratel landen

13. März 2014, 17:46
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Berater halten das Südosteuropa-Netzwerk für weniger wertvoll, als die Hypo. Heute sollte feststehen, wieviel Geld die Bank braucht

Wien - Der Aufsichtsrat der Hypo Alpe Adria kommt heute Freitag, zusammen - danach sollte wenigstens feststehen, wie viel Geld die Bank für die Erstellung der Bilanz 2013 braucht. Im Kern geht es um die Abwertung der Südosteuropa-Banken (SEE), die noch mit rund einer Milliarde Euro in den Hypo-Büchern stehen; der Wirtschaftsprüfer wird die Abwertung auf rund die Hälfte verlangen. Zu diesen rund 500 Mio. Euro dürften weitere mindestens 400 Mio. kommen; mit diesem Kapitalpolster hofft man, bis zur Anstaltsgründung durchzukommen.

Bis 25. März soll die Bilanz dann stehen, der Aufsichtsrat soll sie am 4. April beschließen.

All das setzt voraus, dass die Bank liquid genug ist, die am Montag fällige 750-Mio.-Euro-Anleihe zurückzuzahlen. Während aus dem Ministerratsvortrag von Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) hervorgeht, dass der Hypo-Vorstand der Aufsicht eine "Verschärfung der Liquiditätssituation berichtet hat", wird das in der Bank heftig dementiert.

Abseits dessen wird immer noch über Alternativen zur Anstalt nachgedacht. Neben der Insolvenz über die Idee, die Bank eine Zeitlang unter Geschäftsaufsicht zu stellen.

Käufern ausgeliefert

Finanzminister Spindeleggers Berater von ZEB hinterfragen in ihrem Gutachten vor allem das Asset Südosteuropa-Netzwerk, das die Hypo selbst mit drei Mrd. Euro bewerte. ZEB stuft den Wert dagegen als "sehr wahrscheinlich gering" ein, weil der Bund zu Verkauf bzw. Abwicklung "keine glaubhafte Alternative" habe. Bei der Anstaltslösung würden potenzielle Käufer die gute Bonität des Verkäufers "ausnutzen und hohe Sicherheitsleistungen fordern".

Die Schlussfolgerung der Berater in Bezug aufs SEE-Netzwerk: "Auch ein Wertansatz von null sowohl für Eigenkapital als auch Refinanzierungslinien" sei argumentierbar.

Die größte Gefahr der Insolvenz ortet ZEB, wie berichtet, in einem Bank Run in Südosteuropa; diese Gefahr könne durch den "raschen Verkauf der SEE an einen Investor, der die Banken fortführen wird, aufgelöst werden" . Zur Erinnerung: In dem Zusammenhang wurde öfter Investor Ronnie Pecik genannt, der aber Ambitionen auf Hypo-Banken stets dementiert hat. Ansonsten könne die Gefahr eines Bank Runs durch "Geschäftsaufsicht statt Sofortinsolvenz" gebannt werden.

Dem Modell Geschäftsaufsicht können auch andere in die Sache Involvierte einiges abgewinnen. Bank oder Aufsicht können gemäß Bankwesengesetz bei Gericht einen Antrag auf Geschäftsaufsicht stellen; in dem Fall würde das Gericht einen Aufseher bestimmen. Ziel einer solchen Maßnahme ist die Sanierung der Bank. Der Vorteil: Während der gesetzlich vorgesehenen Forderungsstundung gegen die Bank könnte man versuchen, die Hypo-Gläubiger doch noch zu einem Haircut weichzustreicheln.

Die Experten von ZEB (Sitz: Münster und Wien) beraten übrigens auch die Hypo. Seit der Notverstaatlichung hat die Bank rund 8,5 Mio. Euro Honorare bezahlt.

Die Hypo-Töchter in Bosnien-Herzegowina sind, anders als im Standard berichtet, nicht "unterkapitalisiert". Laut Hypo Alpe Adria "übererfüllen die Hypo-Töchter sowohl in der Föderation als auch in der Republica Srpska die gültigen Kapitalvorschriften" und liegen bei 17,9 (vorgeschrieben 14,5) bzw. 20,2 (zwölf) Prozent. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 14.3.2014)

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