Hoeneß: Gefängniszelle statt Ehrenloge im Stadion

13. März 2014, 17:41
571 Postings

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sein Anwalt legt Revision ein

München - Um kurz nach 14 Uhr steht Uli Hoeneß, umgeben von seinen Verteidigern, vor seinem schwarzen Anklagestuhl. Warten auf das Gericht, warten auf das Urteil. Er weiß nicht, wohin mit seinen Händen. Immer wieder klopft der 62-jährige Präsident des FC Bayern München damit auf die Rückenlehne.

Richter Rupert Heindl und die beiden Schöffen erscheinen. Dann donnert die Zahl wie ein Hammer auf ihn herab: drei Jahre und sechs Monate. Zu dieser Haftstrafe verurteilt ihn die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II wegen Steuerhinterziehung. Der mächtigste Mann des deutschen Fußballs muss ins Gefängnis. Hoeneß zeigt keine Regung, womöglich hatte er nicht viel anderes erwartet. Zur Urteilsbegründung durch Richter Heindl setzt er sich.

Heindl ist präzise und knapp und auch ganz ohne die bissige Ironie, die er in den vorangegangenen drei Verhandlungstagen immer wieder gezeigt hatte. Er macht klar: Wäre Hoeneß ein Unbekannter, "dann wäre vier Tage lang identisch verhandelt worden". Einzig die Person des Angeklagten "macht den Prozess zu etwas Besonderem".

Für die Kammer ist klar: Die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung, die Hoeneß in aller Hast mit Bekannten in der Nacht vom 15. auf den 16. Jänner 2013 zusammengeschustert hatte, "ist nicht missglückt, sondern erkennbar unzureichend". Dass es gar zu einem Freispruch hätte kommen können, "war zu keiner Zeit zu erwarten", sagt Heindl. Da zuckt es um Hoeneß' Unterlippe, er kämpft mit den Tränen.

Steuerpflicht war bekannt

Dass die Zockergeschäfte am Börsenmarkt quasi von alleine gelaufen seien, wie von Hoeneß behauptet, "nehmen wir Ihnen nicht ab", so der Richter. Die Steuerpflicht anderer Anlage, etwa der in Deutschland, sei ihm bekannt gewesen. Zudem habe Hoeneß die Selbstanzeige "keineswegs aus freien Stücken gemacht", sondern "getrieben von der Angst der Entdeckung". Er habe "viele Jahre Zeit gehabt und auf Zeit gespielt". Dass das von Hoeneß erhoffte Abkommen mit der Schweiz platzte, hält das Gericht für bedeutungslos: "Sie hätten immer Selbstanzeige stellen können."

Zuvor, beim Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft einiges an Hoeneß' Verhalten gewürdigt, dass er sich etwa von sich aus gemeldet habe. Staatsanwalt Achim Engel, der fünfeinhalb Jahre Gefängnis forderte, sprach auch von Hoeneß' "Lebensleistung" und "beträchtlichen Verdiensten".

Allerdings: "Besonders wichtige Milderungsgründe", wie sie das Gesetz verlangt, um von Haftstrafe abzusehen, sah er darin nicht. Vielmehr spreche die Tatsache, dass Hoeneß die Börsengeschäfte von der Schweiz aus gemacht habe, für "kriminelle Energie".

Immerhin - damit ist der tiefe Fall des Uli Hoeneß über 14 Monate hinweg nun beendet. Es ist eine Geschichte, die viel Stoff für Filme oder Romane hergibt: Die Geschichte eines Mannes aus kleinen Verhältnissen, ein Metzgersohn aus dem schwäbischen Ulm ist Hoeneß, dessen Weg immer steil nach oben führt - zum Edel-Club FC Bayern München, in die Fußball-Nationalmannschaft, ins Topmanagement des Vereins. Er hat die Millionen in der Hand, er zockt an der Börse, in Deutschland legal und unter den Augen der Betriebsaufsicht, in der Schweiz ganz allein für sich, geheim.

Hoeneß geht in Revision und lässt das Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH) überprüfen. Er bleibt bis auf weiteres auf freiem Fuß, darf auch zu Spielen seines Vereins ins Ausland reisen. Sollte die nächste Instanz das Urteil bestätigen, muss er in die JVA Landsberg am Lech einrücken. Seine Steuerschuld von mehr als 28,2 Millionen Euro wird er laut seinem Anwalt Hanns W. Feigen "unter Aufbietung aller Kräfte" zurückzahlen. (Patrick Guyton aus München, DER STANDARD, 14.3.2014)

  • Uli Hoeneß nahm die Verurteilung am Donnerstag regungslos zur Kenntnis. Er nimmt das Urteil nicht an, sondern geht in Revision.
    foto: ap/sven hoppe

    Uli Hoeneß nahm die Verurteilung am Donnerstag regungslos zur Kenntnis. Er nimmt das Urteil nicht an, sondern geht in Revision.

Share if you care.