Der langsame Weg des Tunnelbaus nach Oberlaa

Video13. März 2014, 18:59
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2017 soll die U1-Verlängerung in den Süden Wiens fertiggestellt sein

Wien - Zwischen Häusern mitten im Wohngebiet einen U-Bahn-Tunnel zu bauen stellt die Wiener Linien vor Herausforderungen. Es wird gestemmt und gebohrt, was das Zeug hält. Täglich kommt der Bohrwagen im Tunnel nur wenige Meter voran. Die Streckenverlängerung der Linie U1 zwischen Reumannplatz und Oberlaa in Wien läuft auf Hochtouren und wird künftig für die Einwohner des zehnten Bezirks eine praktische Anbindung in die Innenstadt darstellen.

Derzeit hält sich die Begeisterung der Anrainer aber in Grenzen. Sie müssen mit Baustellenlärm, Staubentwicklung, abgesperrten Gehsteigen und Umleitungen leben. Für die Wiener Linien heißt das, Bauarbeiten und Zeitpläne mit den Anliegen der Anrainer zu koordinieren. Die Beschwerden häufen sich vor allem zu Beginn, wenn an der Oberfläche gearbeitet wird. Ist der Tunnel erst einmal gegraben, verlagert sich die Lärmbelastung unter die Erde. Planen und Holzverbauten sollen zudem vor Staubentwicklung schützen. Diese Maßnahmen werden um Ombudsleute für jeden Baustellenabschnitt ergänzt, an die sich Anrainer mit Beschwerden wenden können. Die Wiener Linien sind um ihre potenziellen Kunden bemüht, sagt Sprecherin Anna Reich.

Im Herbst 2017 sollen die ersten Züge die neue Strecke befahren. Vom Stephansplatz nach Oberlaa dauert es dann 15 Minuten. Das wird, so die Wiener Linien, den Einwohnern Favoritens den Alltag erleichtern, soll aber auch das Gebiet insgesamt attraktiver machen. Das Projekt ist ein wichtiger Schritt für die Stadtentwicklung. Insgesamt sollen fünf neue Stationen (Troststraße, Altes Landgut, Alaudagasse, Neulaa, Oberlaa) mit einer Gesamtlänge von rund 4,6 Kilometern hinzukommen. Die U1 wird dann mit mehr als 19 Kilometern die längste U-Bahn-Linie Wiens sein.

In der zukünftigen Station Troststraße werden gute Fortschritte verzeichnet. Die ersten Tunnelabschnitte sind im Rohbau fertig und werden bald mit den sogenannten Innenschalen versehen - dem Teil also, den die Fahrgäste später aus dem Zug sehen können. Gebohrt wird etwa 24 Meter unter der Erdoberfläche. Durchschnittlich arbeiten rund 100 Menschen pro Tag an den insgesamt vier Tunnelröhren. Darunter auch Geologen, die regelmäßig die Bodenverhältnisse prüfen müssen. Gearbeitet wird rund um die Uhr, in drei Schichten zu je acht Stunden.

Tunnelbauer sind abergläubisch. In Anlehnung an die heilige Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, bekommt jeder Tunnel eine Patin, die Glück bringen soll. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wird die Patin des U-Bahn-Tunnels, der unter der Südosttangente durchführen wird. Auch die Rektorin der Technischen Universität Wien, Sabine Seidler, ist bereits Patin eines der Tunnel. (Christa Minkin, DER STANDARD, 14.3.2014)

 Video vom U1-Tunnelbau

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