Finanzchefs werden immer mächtiger

15. März 2014, 16:30
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Das Aufgabengebiet - und damit wohl der Machtbereich - der Finanzvorstände hat sich deutlich ausgeweitet

Der Personalberater Boyden (tätig in 40 Ländern) war nach der Lehman-Pleite in einer offenbar komfortablen Position: Eine Menge Finanzvorstände kamen nach Konsolidierungen und Standortschließungen auf den Markt. Gleichzeitig suchte eine Menge Unternehmen neue Finanzer. Aufs Erste betrachtet, nahezu ideal für einen Personalberater in diesem Bereich.

Auf den zweiten Blick, berichtet Andreas Landgrebe, Managing Partner von Boyden in Österreich und CEE, wurde aber schnell klar: Die Profile passten so nicht zusammen. Denn wo es „vor der Krise" darum ging, die richtigen Dinge zahlenunterfüttert zu tun (weitere Expansion), drehte sich dann alles darum, die Dinge richtig zu tun – im Sinne von viel stärker steuernder Wirkung des CFO.
Nun hat Boyden die geänderte Rolle der Cheffinanzer herausgearbeitet, dafür aktuell rund 50 Chief Financial Officers börsennotierter multinationaler Konzerne befragt.

Mehr Macht, mehr Bereiche

Demnach übernehmen CFOs zunehmend weitere Verantwortungsbereiche wie Human Resources (die mittlerweile ja auch stärker an den Einkauf angebunden sind), Legal Issues, Shared Services, regulatorische Agenden und sogar auch die Steuerung operativer Teileinheiten. Als Grund dafür sieht Landgrebe „die wachsende Komplexität der Unternehmen bei gleichzeitig schrittweiser Reduktion der Managementkapazitäten". Auch in den Vorstandsetagen würden international die „Headcounts" reduziert.

Transformation

Besonders gefragt und gefordert seien CFOs heute im Zuge der Transformationsprozesse Restrukturierung, Neudefinition globaler Businessprozesse, Outsourcings, Schaffung neuer Arbeitsorganisation (Stichwort New World of Working). Dass ein CFO dabei als reiner Zahlenhüter agieren könne, sei mittlerweile ganz undenkbar, vielmehr erfordere die Funktion die Rolle eines „zentralen Treibers und obersten Projektverantwortlichen".
Ob der CFO mit all diesen neuen Verantwortungen nicht dem obersten Chef, dem CEO, sehr nahe rücke? Ob es da nicht viele neue, viele massive Streit- und Positionierungsthemen in den ohnedies selten harmonischen Boards gebe? Landgrebe antwortet diplomatisch: „Ein guter CEO ist fähig, seine Sparringspartner zum Wohle des Unternehmens zu nützen und als Bereicherung zu sehen."
Noch etwas: CFOs wurden seit 2008 auch zunehmend ins Licht der Medien gedrängt, sei es durch Bilanzskandale oder einfach durch ein Stück mehr Transparenz und Compliance-Vorschriften. Also: Finanzvorstände sollten auch Medienprofis sein.(Karin Bauer, DerStandard, 15., 16.03.2014)

  • Andreas Landgrebe, verantwortlich für die Geschäfte von Boyden in Österreich und CEE.
    foto: heribert corn/der standard

    Andreas Landgrebe, verantwortlich für die Geschäfte von Boyden in Österreich und CEE.

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