Der Familien-Wohnort beeinflusst das Gewicht von Kindern

16. März 2014, 18:14
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Deutsche Forscher untersuchen den Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren und Übergewicht

Kinder in benachteiligten Ortsteilen sind bis zu doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder in privilegierten Gegenden. Das berichten Wissenschafter der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, die aktuell über den Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren und der physischen und psychischen Gesundheit forschen.

Neben Schulabschluss und Haushaltseinkommen der Eltern rücke damit als Ursache für Übergewicht bei Kindern ein weiterer Faktor in den Fokus: "In benachteiligten Ortsteilen zu wohnen, wirkt sich schon bei Vorschulkindern auf das Gewicht aus", so Elmar Brähler vom Leipziger Uniklinikum. Die Forscher sammelten Daten von fast 3000 Kindern im Rahmen der Einschulungsuntersuchung der Stadt Leipzig. 

Dabei teilten sie 63 Ortsteile Leipzigs in vier Kategorien ein. Maßgeblich dafür waren der Anteil der Personen mit niedrigem Schulabschluss, die Arbeitslosenquote und das Haushaltseinkommen. Das Ergebnis: Mit mehr als zwölf Prozent leben in benachteiligten Ortsteilen der Kategorie 4 rund doppelt so viele übergewichtiger Kinder wie in privilegierten Ortsteilen der Kategorie 1. "Es hat sich gezeigt, dass der Wohnort des Kindes neben dem elterlichen Sozialstatus zusätzlichen Einfluss auf das Übergewicht bei Kindern ausübt: Denn wohnt eine Mutter mit niedriger Bildung in einem privilegierten Ortsteil, verringert sich das Übergewichtsrisiko beim Kind", erläutert Brähler die Forschungsergebnisse.

Auch infrastrukturelle Ursachen

Vorangegangene Studien im angloamerikanischen Raum zeigen eine mögliche Erklärung auf: Stark benachteiligte Ortsteile unterscheiden sich von privilegierten nicht nur durch die Bildung und Arbeitssituation ihrer Anwohner, sondern auch durch bauliche Strukturen, Anbindung an die Infrastruktur, Zugang zu Grünflächen, Spielplätzen und Sonneneinstrahlung. "Um mit Präventionsmaßnahmen gezielt Übergewicht bei Kindern bekämpfen zu können, muss in weiteren Studien noch genau erforscht werden, wodurch diese großen Unterschiede verursacht werden", so Brähler. Mit diesem Wissen könnten die Kommunen Lebensräume so gestalten, dass Kindern eine gesunde Entwicklung möglich ist.

Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, gut sechs Prozent davon gelten als adipös, leiden also unter starkem Übergewicht. Folgen können chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthockdruck und Herzkrankheiten sein. "Aus übergewichtigen Kindern werden meist adipöse Erwachsene, deren Kinder wiederum ein erhöhtes Übergewichtsrisiko haben", so Brähler. (red, derStandard.at, 13.4.2014)

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