Millionen für Bahnhöfe, kein Cent für Ybbstalbahn

14. März 2014, 05:30
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Bund und Land machen in Niederösterreich rund 140 Millionen Euro locker, um Bahnhöfe zu verschönern und mehr Park-and-ride-Plätze zu schaffen. Für die Erhaltung von Nebenbahnen wie der Ybbstalbahn gibt es keinen Cent

St.Pölten – Im niederösterreichischen Regionalverkehr ist alles auf Schiene. Sagen zumindest die, die auf höchster Ebene die Weichen stellen – also Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ), Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), sein zuständiger Landesrat Karl Wilfing und ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern. Rund 140 Millionen Euro werden in den weiteren Ausbau der Bahn-Infrastruktur in Niederösterreich investiert. Der Großteil davon in die Renovierung von 18 Bahnhöfen, darunter Hollabrunn, Klosterneuburg-Kierling, Amstetten, Gmünd und Scheibbs.

Im Bereich der Park- and Ride-Anlagen gibt es derzeit rund 30.000 Pkw-Stellplätze in Niederösterreich, bis 2025 sollen an 29 Bahnhöfen 50.000 neue dazukommen. Allein die Kosten dafür betragen rund 36 Millionen Euro, mehr als ein Drittel davon übernimmt das Land.

Von der Finanzspritze sollen ausdrücklich auch die noch vorhandenen Regionalbahnen profitieren. Wie berichtet, hat die ÖBB vor drei Jahren dem Land fast allen Nebenbahnen übertragen, vier Fünftel davon sind mittlerweile eingestellt. Erlauftal-, Kamptal-, Puchberger- und Traisentalbahn gibt es noch, eine "Attraktivierung" ist versprochen.

Wie blanker Hohn

Das gemeinsame Ziel sei, „noch mehr Menschen auf die Bahn zu bringen und sie sicher und umweltfreundlich zu transportieren", sagte Ministerin Bures am Donnerstag im Landhaus in St. Pölten.

Rund 90 Kilometer westlich klangen diese Worte wie blanker Hohn. Seit Monaten versuchen im Mostviertel hunderte Aktivisten, die Ybbstalbahn zu retten. Bisher erfolglos.

Wie berichtet, wurde vor drei Jahren auch die Ybbstalbahn von der ÖBB an die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (Növog) übertragen. Die Aufgabe der Gesamtstrecke folgte postwendend. Nur der kurze Abschnitt zwischen Waidhofen und Gstadt ist noch als Citybahn im Regelbtrieb. Zwischen Göstling und Kienberg ist der Ötscherland-Express für Touristen unterwegs. Der Rest (und Großteil) wird seit Jahresbeginn bereits abgetragen.

12.000 Unterschriften

Seit die Abbrucharbeiten auch die erst vor wenigen Jahren um zwanzig Millionen Euro erneuerten  Gleise zwischen Gstadt und Hollenstein erreichten, steitg die Bürgerinitiative Ybbstalbahn auf die Barrikaden, also auf die Geleise. Auch in den vergangenen Tagen waren „Baustellenbesichtigung" so intensiv, dass die Bagger der Firma Swietelsky pausieren mussten. Doch Donnerstagnachmittag war in der "Ofenloch" gennanten Steilschlucht bei Opponitz – einer der schönsten Abschnitte der Ybbstalbahn – wieder der Abbruchdiesel zu hören, obwohl es mittlerweile mehr als 12.000 Unterschriften pro Ybbstalbahn gibt.

Für Tourismus erhalten

Mehrere  Bürgerinitiativen wollen auch diesen Abschnitt für den Tourismus erhalten. "Wenn die Schienen einmal herausgerissen sind, ist es aus", sagt Karl Piaty, Sprecher der Bürgerinitiative. Für ihn geht es auch um historisches Kulturgut, das von "verantwortungslosen" Poltikern zerstört werde.

Im Hintergrund schwelt ein Machtkampf zwischen Bürgermeistern um die Frage, ob ein Fahrradweg die Gleise ersetzen oder ergänzen soll. Das Land will sich nicht mehr einmischen. Viele Ybbstaler haben jedenfalls noch Ex-EU-Kommissar Franz Fischler im Ohr, der 2011 bei einer Probahn-Veranstaltung gesagt hatte: "Wenn Sie die Ybbstalbahn wollen, müssen Sie darum kämpfen." (Michael Simoner, DER STANDARD, 14.3.2014)

  • Mit "Baustellenbesichtigungen" versuchen Ybbstalbahn-Befürworter die Demontage der Schienen zu verhindern. Sie wollen die Schmalspurbahn zumindest für den Tourismus erhalten.
    foto: karl piaty

    Mit "Baustellenbesichtigungen" versuchen Ybbstalbahn-Befürworter die Demontage der Schienen zu verhindern. Sie wollen die Schmalspurbahn zumindest für den Tourismus erhalten.

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