Absage von Pisa-Tests: OECD warnt Österreich vor "Blindflug"

13. März 2014, 17:42
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Die Unterrichtsministerin bleibt dabei: Österreich wird bei der nächsten Pisa-Studie nicht dabei sein. Das Angebot der Uni Salzburg, helfend einzuspringen, wies sie zurück. Für die OECD unverständlich: Bis 2008 wurde Pisa genau dort "ausgezeichnet" abgewickelt

Wien - Die Pisa-Studie 2015 wird ohne Österreich stattfinden, denn Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) "steht zu ihrer Entscheidung" und beharrt auf einem Stopp der Pisa- und TIMSS-Studie. Darum wies sie am Donnerstag auch das Mittwochabend eingelangte Angebot der Uni Salzburg (derStandard.at berichtete), die dafür heuer notwendigen Feldtests durchzuführen und für Datensicherheit zu garantieren, zurück: "Es wäre unseriös, zusätzliche Risiken durch Datenschnittstellen zu schaffen und einem externen Institut blind zu vertrauen", teilte sie dem STANDARD mit. Sie sieht die "Datensicherheit" am Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) nicht gewährleistet.

Die Leitung des Fachbereichs Erziehungswissenschaft, der Ex-Bifie-Direktor Günter Haider angehört, hat eine "Ad-hoc-Arbeitsgruppe" unter Haiders Führung vorgeschlagen, die die Studien durchführen und auf einem eigenen Computersystem sichern sollte. Immerhin hat Haider bis 2008 an der Uni Salzburg Pisa und TIMSS in Österreich für die OECD durchgeführt und kennt beide Studiendesigns. Uniintern sorgte der Alleingang des Fachbereichs übrigens für etwas Irritation.

"Ausgezeichnete" Zusammenarbeit mit Haider

Heinisch-Hoseks Nein zum Salzburger Angebot stieß bei der OECD in Paris, so wie der Teststopp an sich, auf Verwunderung. OECD-Bildungsvizedirektor Andreas Schleicher erwiderte auf die Frage des Standard, ob die OECD diese wissenschaftliche "Aushilfe" akzeptiert hätte: "Unsere Zusammenarbeit mit Dr. Haider war ausgezeichnet, und selbstverständlich wäre auch eine solche Lösung für die OECD akzeptabel." Österreich wäre jedenfalls das erste OECD-Land, das die Pisa-Studie cancelt, was Schleicher zu folgender Warnung veranlasst: "Moderne Bildungssysteme kann man nicht im Blindflug steuern, und die OECD wird deshalb alles tun, um Österreich bei der Schaffung der entsprechenden evidenzbasierten Grundlagen zu unterstützen."

"Schwärzestes Szenario"

Dass es "zum schwärzesten Szenario" kommen könnte, nämlich dass der Pisa-Test in Österreich tatsächlich abgesagt wird, will auch die OECD-Direktorin für Bildungswesen, Barbara Ischinger, nicht glauben: "Pisa ist überall sehr beliebt, die Möglichkeiten, sich untereinander zu vergleichen und voneinander zu lernen, wird weltweit geschätzt. Auch von Österreich", sagte sie im "Kurier". 

Ischinger glaubt trotz Teststopps noch an eine Durchführung des Pisa-Tests für 2015. "Wir stehen in Kontakt mit Wien. Und gehen davon aus, dass man alle Probleme, die es derzeit gibt, rechtzeitig beheben kann." Noch gebe es kein zeitliches Problem: "Wir können das sicher noch einige Monate weiter strecken." Nun sollen neue Termine für die Vortests angeboten werden. "Wir hoffen sehr, dass wir noch eine Lösung finden können. Und gehen davon aus, dass sich alles ausgehen wird."

Bifie-Beirat plädiert für "neutrale" Berater

Auf die Wichtigkeit solcher Daten aus internationalen Studien haben auch mehrere österreichische Wissenschafter hingewiesen, etwa Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) oder der Soziologe Johann Bacher (Uni Linz). Als Mitglied des wissenschaftlichen Bifie-Beirats präferiert er statt der Salzburg-Variante aber eine "neutrale Person oder Personengruppe als Berater", die beigezogen werden sollte.

Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) fordert eine Taskforce unter Einbindung von OECD-Experten, die Heinisch-Hosek die "Möglichkeit geben" sollen, ihre Entscheidung "zu überdenken".

SP Tirol kritisiert Teststopp

Auch SPÖ-intern regt sich Kritik an Heinisch-Hoseks Teststopp. Er sei "maßlos überzogen", sagte der Bildungssprecher der Tiroler SP, Thomas Pupp: "Es handelt sich hier um ein internationales Benchmarking, das eine sinnvolle und dringend notwendige Weiterentwicklung unseres Bildungssystems erst möglich macht." (Lisa Nimmervoll, Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 14.3.2014)

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