Eidgenössischer Humor

13. März 2014, 17:10
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Leipzig: Buchmesse-Gastland Schweiz schenkt der Stadt 40 Bänkli

Obwohl Heiner Lauterbach (60) heuer ausnahmsweise keine seiner berüchtigten Autobiografien vorlegt, hat er es just zur Buchmesse trotzdem in den Kulturteil der Leipziger Volkszeitung geschafft. Diesmal zwar nicht in seiner Rolle als Schauspieler oder Buchautor, nein, Lauterbach ist Klavierspieler des Jahres.

Zunächst mit Gitarre und Schlagzeug musizierend habe er das Klavierspiel gemeinsam mit seiner elfjährigen Tochter erlernt, mittlerweile, heißt es, würden die beiden gar vierhändig spielen. Lange schon, so Lauterbach, habe er den Traum gehegt, dieses Tasteninstrument zu bedienen, denn "Klavier ist die Mutter aller Instrumente". Na dann! Wer hat, lernen wir, dem wird gegeben.

"Sie brauchen nicht zu flüstern, bei uns ist Armut keine Schande", sagt in einem Schweizer Witz auch ein Bankbeamter zum Kunden vor dem Schalter, der - leise - eine Million Schwarzgeld einzahlen möchte.

Nach Leipzig, die Schweiz ist diesmal Buchmesse-Gastland, kommen die Eidgenossen aber nicht mit Banken, sondern mit "Bänkli". 40 rote Parkbänke, die 1939 für die Schweizer Landesausstellung entworfen wurden und seither, wie es heißt, nicht mehr aus dem Alltag des Alpenlandes wegzudenken seien, hat man den Leipzigern geschenkt. Einstweilen sind die Bänkli im frühlingshaften Leipzig gut besetzt, doch Meteorologen drohen schon mit einer aufziehenden "Kältepeitsche mit Schneeflocken und Graupel".

Erstaunlich unpeinlich zog sich dann bei der Buchmesse-Eröffnung der Schweizer Bundesrat Alain Berset aus der Affäre, der hier auch versuchen musste, nach der angenommenen "Initiative gegen Masseneinwanderung" gute Stimmung zu machen. Gleich am Anfang zitierte er den österreichischen Schriftsteller Alexander Roda Roda: "Als Schweizer geboren zu werden ist ein großes Glück. Es ist auch schön, als Schweizer zu sterben. Doch was tut man dazwischen?" Die Frage beantwortete Berset vage und fuhr fort: "Literatur ist der natürliche Feind der Schlagworte. Literatur ist Anti-PR."

Als Gastland 2016 ist nun Österreich im Gespräch, nach Vorgesprächen wartet man laut Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren nur noch auf ein Ja aus der Politik. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 14.3.2014)

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