Zecken werden zunehmend auch im Winter aktiv

13. März 2014, 16:20
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Klimawandel und milde Winter machen Zecken zum zunehmend ganzjährig aktiven Tier

Die zunehmend milden Winter haben zur Folge, dass Zecken nicht nur im Sommer, sondern zunehmend ganzjährig aktiv sind. So sei der Winter 2013/2014 ein wahrer Zeckenwinter, berichten Wissenschaftler im Vorfeld des zweiten Süddeutschen Zeckenkongresses an der Universität Hohenheim. Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der FSME-Erkrankungen mit 420 Erkrankungen ein erneutes Hoch. 

Keine Winterruhe mehr

Bislang hielten die achtbeinigen Blutsauger wenigstens von November bis Ende Februar Winterruhe. Gewöhnlich werden sie erst ab etwa 5 bis 7 Grad Celsius aktiv. Doch der Klimawandel und die zunehmend milden Winter machen die Zecke zunehmend zum ganzjährig aktiven Tier. Zecken sind ziemlich hart im Nehmen: Zwischen ihren Blutmahlzeiten können sie zwei bis drei Jahre lang hungern. Insgesamt können Zecken über 50 verschiedene Krankheiten übertragen. Die häufigsten davon sind die Hirnhautentzündung (FSME) und die entzündliche Borreliose.

In den Risikogebieten liege die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100. Danach träten nach etwa 10 Tagen grippeähnliche Symptome auf. "Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es nach vorübergehender Besserung zu einem erneuten Fieberanstieg und der zweiten Krankheitsphase", sagt Neurologin Uta Meyling-Lamadé. Bei leichten Verläufen klagten die Patienten vorwiegend über starke Kopfschmerzen. Bei schwereren Verläufen seien Gehirn und Rückenmark beteiligt.

Zu den Symptomen gehören dann Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle. Für etwa jeden hundertsten Patienten endet die Krankheit tödlich. Bei älteren Menschen komme es häufiger zu schweren Krankheitsbildern mit zum Teil bleibenden Lähmungserscheinungen. Aber auch Kinder litten selbst nach einem leichteren Verlauf an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie verminderter Belastbarkeit.

Keine Impfung gegen Borreliose

Gegen die FSME kann man sich impfen - anders bei der Borreliose, eine durch Bakterien übertragene Krankheit. Zwischen drei und 30 Prozent der Zecken tragen den Erreger in sich. "Nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es in 40 bis 60 Prozent der Fälle zur typischen Wanderröte um die Einstichstelle", sagt Meyding-Lamadé. Mögliche Folgen seien Lähmungen der Hirnnerven und eine schmerzhafte Entzündung der Nervenwurzeln des Rückenmarks, außerdem könnten Gelenkbeschwerden und Herzrhythmusstörungen auftreten. "Bei der neurologischen Spätmanifestation gibt es vielfältige Ausprägungen, wie schubförmige Beschwerdeverläufe ähnlich der Multiplen Sklerose, Schlaganfälle oder chronische Polyneuropathie", so der Experte

Anders als bei der FSME sei eine vorherige Impfung nicht möglich. Werde die Borreliose früh erkannt, lasse sie sich jedoch gut mit Antibiotika behandeln. "Da die Symptome jedoch erst Tage nach dem Zeckenstich auftreten und die Beschwerden sehr diffus sind, sollte die Diagnose von Fachleuten durchgeführt werden", so Meyding-Lamadé.

Bester Schutz sei, den Zeckenstich zu vermeiden. Gute Methoden seien helle und geschlossene Kleidung zu tragen und sich nach Aufenthalten in der Natur gründlich abzusuchen. „Die Zecken sollten möglichst rasch, zum Beispiel mit einer Pinzette oder Zeckenkarte, entfernt werden. Dies ist vor allem für die Übertragung der Borreliose bedeutsam, da hier das Risiko umso höher ist, je länger die Zecke saugt. (red, derStandard.at, 13.3.2014)

  • Auch bevor die ersten Blätter wachsen sind Zecken schon aktiv.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Auch bevor die ersten Blätter wachsen sind Zecken schon aktiv.

  • FSME-Infektionen 2012
    foto: apa

    FSME-Infektionen 2012

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