Forscher sehen Osten wieder erblühen

13. März 2014, 15:00
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Die Arbeitslosigkeit ist in manchen Ländern so hoch wie in den Krisenregionen, Ökonomen sehen nun Anzeichen für ein Wirtschaftswachstum

Wien - Die Banken hoffen seit Jahren auf einen Wirtschaftsaufschwung in Osteuropa. Kein Wunder: Einige Länder der Region waren in den vergangenen Jahren ein teures Pflaster für ausländische Banken. Bislang blieb es allerdings eher bei der Hoffnung, denn Wachstum stellte sich nicht auf breiter Front ein.

Glaub man den Prognosen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche könnte sich das Wirtschaftswachstum der Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas (MOSOEL) heuer und in den nächsten zwei Jahren tatsächlich merklich beschleunigen. Das WIIW rechnet mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von zwei bis drei Prozent pro Jahr. "Die öffentlichen Investitionen sollten sich erholen und wir gehen davon aus, dass damit dann auch die privaten Investitionen anspringen", erklärte WIIW-Ökonom Mario Holzner am Donnerstag in Wien bei der Präsentation der jüngsten WIIW-Konjunkturprognose.

Holzner spricht von etlichen Energie- und Verkehrsinfrastruktur-Projekten, die sich in der konkreten Planung befänden oder sogar schon in der Realisierung. Darüber hinaus sieht das WIIW Anzeichen für eine intensive Nutzung des gerade abgelaufenen EU-Finanzrahmens in der übrig gebliebenen Auszahlungsperiode 2014/2015. Die Exportwirtschaft der Länder Mittel- und Osteuropas werde darüber hinaus vom erwarteten Wirtschaftswachstum der Eurozone in den nächsten Jahren profitieren.

Einige Länder mit Problemen

"Insgesamt sehen wir für den Prognosezeitraum 2014 bis 2016 ein verstärktes Wachstum der Mittel-, Ost- und Südosteuropäischen Länder von durchschnittlich zwei bis drei Prozent", sagte Holzner. Die Lage sei allerdings nicht einheitlich positiv. So dürfte Kroatiens Wirtschaft heuer stagnieren, die Rezession in Slowenien wird sich voraussichtlich abschwächen, aber noch andauern. Serbiens Wirtschaftsleistung wird laut WIIW heuer um 0,5 Prozent schrumpfen, jene der Ukraine um 1,1 Prozent geringer ausfallen als 2013.

Unsicher sind die WIIW-Ökonomen, ob ein investitionsgetriebenes Wirtschaftswachstum "nur ein kurzfristiger statistischer Basiseffekt einiger Ersatzinvestitionen bleibt oder, worauf vieles hindeutet, dahinter ein nachhaltiger Paradigmenwechsel steckt". Neben Transportinfrastruktur-Projekten sind laut WIIW eine Reihe von Kohlekraftwerken geplant. "Am Balkan werden diese auch vorzüglich von chinesischen Investitionsbanken und chinesischen Bauunternehmen erstellt", sagte Holzner, "aber es gibt auch große Projekte in Polen in diesem Bereich. Auch für Kernkraftwerke gebe es eine Reihe von Ausbauplänen bzw. seien diese bereits in der Realisierung, z.B. der Ausbau von zwei Reaktorblöcken in Mochovce in der Slowakei.

Die zu erwartenden Investitionen sollten den Fall in eine Deflationsspirale verhindern und zu einem vorteilhafteren Gleichgewicht mit niedrigeren Arbeitslosenzahlen führen, hoffen die WIIW-Ökonomen. Die Arbeitslosenquoten bei den 25- bis 29-Jährigen seien "teilweise katastrophal", sagte Holzner. Insbesondere am Westbalkan gebe es in dieser Altersgruppe Arbeitslosenraten von 20 bis 30 Prozent und mehr, also ähnlich wie in den Krisenregionen Südeuropas wie Spanien, aber auch in der Slowakei oder Bulgarien. "Es ist also höchste Zeit, dass das Wirtschaftswachstum anspringt." (APA/red, derStandard.at, 13.3.2014)

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