Hilfe bei FBI-Ermittlungen: Ukrainischer Oligarch in Wien verhaftet

13. März 2014, 17:25
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Eine Verhaftung von globaler Brisanz: Spezialeinheiten der Wiener Polizei haben den Ukrainer Dmytro Firtasch im Auftrag des FBI festgehalten. Der Oligarch fungierte bisher als nicht ganz selbstloses Bindeglied zwischen Moskau und Kiew

Wien - Nun hat ihn seine Vergangenheit doch noch eingeholt. Dmytro Firtasch, ein geheimnisumwitterter Oligarch, sitzt seit Mittwoch in Österreich in Haft und wartet auf die Entscheidung, ob er zur Verfolgung in die USA ausgeliefert wird. Der Ukrainer hatte über Jahre eine zentrale Rolle im Gashandel zwischen seiner Heimat und Russland und wickelte seine Geschäfte über Wien und Zug ab. Die Festnahme wird von Beobachtern auch als Schlag gegen Wladimir Putin gesehen, auch wenn offiziell ganz andere Gründe für den Schritt genannt werden.

Doch der Reihe nach: Das FBI ermittelt seit rund acht Jahren gegen Firtasch wegen Bestechung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Vorwürfe sind zwar im Einzelnen nicht bekannt, ein Zusammenhang mit den von Julia Timoschenko vorgebrachten Beschuldigungen scheint aber nicht unlogisch. Die frühere Regierungschefin hatte Firtasch, der eine größere Gruppe der gestürzten Partei der Regionen im Parlament kontrollieren soll, immer als zentrale Figur in einem riesigen Korruptionssumpf dargestellt. Vereinfacht gesagt habe der Geschäftsmann günstiges Gas vom russischen Monopolisten Gasprom erworben und mit hohem Aufschlag an den staatlichen ukrainischen Versorger Naftogas weitergegeben. Timoschenko landete bekanntlich hinter Gittern.

Eher simples Geschäftsmodell

Groß geworden sei der Mann, der auch Arbeitgeberpräsident seines Landes ist, laut Vorwürfen durch seine Verbindungen mit dem mutmaßlichen Großkriminellen Semjon Mogilewitsch. Der aus Israel stammende Mann gilt als führende Figur organisierter Kriminalität in Russland und hat es 2009 auf die Liste der zehn vom FBI meistgesuchten Personen geschafft. Für ihn gilt ebenso wie für Firtasch die Unschuldsvermutung.

Das eher simple Geschäftsmodell brachte Firtasch viel Geld. Wie berichtet, machte seine Wiener Gesellschaft Centragas 2008 272 Millionen und 2009 285 Millionen Euro Profit, die steuerschonend via Zypern auf die British Virgin Islands flossen. Centragas war Hälfteeigentümer der im Schweizer Zug ansässigen RosUkrEnergo, die den Gashandel operativ betrieb. Nach dem Gasstreit zwischen Kiew und Moskau 2009 wurde der Zwischenhändler eliminiert, der später noch eine Milliardenabfindung erstritt. Dann wurde die von Wien aus gehaltene Beteiligung Firtaschs an zypriotische Briefkästen abgespalten.

Vornehme Residenz

Allerdings dürfte sich der auch in London vornehm residierende Ukrainer wieder in Stellung gebracht haben und neuerlich eine Mittlerrolle bei Gasgeschäften mit Russland einnehmen. Nun fungiert seine Energie-, Chemie- und Rohstoffholding Ostchem als Vehikel. Sitz der Gesellschaft: Wien. Mit österreichischer Hilfe verbarg Firtasch übrigens bis 2006 seine Eigentümerrolle bei RosUkrEnergo, indem er Raiffeisen Investment als Treuhänder einschaltete. Diese Beziehung war auch Gegenstand im Banken-U-Ausschuss im hiesigen Parlament 2007.

In Kiew schlug die Festnahme wie eine Bombe ein, gilt der Schritt doch als Signal, dass die USA nun vehement gegen Putin-Vertraute vorgehen. Firtaschs DF Group hingegen verlautete, die Festnahme habe keinen politischen Hintergrund. Mittlerweile soll der Oligarch ins Klitschko-Lager gewechselt sein. (as, DER STANDARD, 13.3.2014)


Nachlese


Hintergrund: Anziehungssache Bankgeheimnis

Firtasch ist nicht der einzige Oligarch mit engen Beziehungen zu beziehungsweise in Österreich. Die vielschichtigen Verbindungen sind historisch gewachsen. Ein Hauptgrund dafür ist das noch immer bestehende Bankgeheimnis.

Früher sei das Bankgeheimnis noch ein "stärkerer Anreiz" für Milliardäre gewesen, ihr Geld auf österreichischen Konten zu bunkern, erklärte Friedrich Schneider, Professor an der Johannes Kepler Universität Linz der APA. Aber auch jetzt sei Österreich in dieser Hinsicht "noch immer relativ sicher", so der Experte für Schattenwirtschaft. Banken in Österreich dürfen in der Regel nur Auskünfte geben, wenn ein Strafverfahren anhängig ist oder wenn ein verwaltungsbehördliches Finanzstrafverfahren eingeleitet worden wurde.

Für den Ökonomen Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) ist Österreich noch immer ein "sicherer Hafen für ausländisches Kapital", wie er im APA-Gespräch sagte. Wien sei nicht nur bei ukrainischen Oligarchen, sondern generell im russischen und post-sowjetischen Raum beliebt.

"Im Großen und Ganzen ist Österreich nicht mehr so interessant für kriminelle Organisationen", betonte Schneider. Vor zehn bis 15 Jahren sei dies anders gewesen - heute käme "kaum noch ein Neuer". Bis 2017 soll das Bankgeheimnis für Ausländer überhaupt fallen - Grund dafür ist die Einführung des automatischen Informationsaustausches. Österreicher sind im eigenen Land davon nicht betroffen. Kritik am Umgang mit ausländischen Oligarchengeldern übte kürzlich die Grüne EU-Mandatarin Ulrike Lunacek: "Wie haben immer noch das Bankgeheimnis für Ausländer. Das ist ein Beitrag für Geldwäsche und Steuerbetrug" und es seien "massive Schritte notwendig, das zu ändern".

  • Dmytro Firtasch zählt zu den einflussreichsten Oligarchen der Ukraine.
    foto: photo itar-tass / inter tv channel press service

    Dmytro Firtasch zählt zu den einflussreichsten Oligarchen der Ukraine.

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