Absägen von Elefanten-Stoßzähnen zur Vandalismus-Prävention?

13. März 2014, 16:09
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Forscher untsuchten die Sinnhaftigkeit der drastisch anmutenden Maßnahme in Kenia

Nairobi/Zürich - Die Lebensräume von Menschen und Elefanten überlappen sich immer stärker, weshalb Konflikte zunehmen. Elektrozäune sollen die Dickhäuter fernhalten, sind jedoch nicht besonders effektiv - die Tiere können sie einreißen. Seit einiger Zeit wird in Kenia versucht, Elefanten durch das absägen der Stoßzähne davon abzuhalten, Zäune zu zerstören.  Da es bisher keine wissenschaftliche Begleitforschung dazu gab, untersuchte ein internationales Forscherteam die Wirkung dieser Methode in einem kenianischen Wildpark. Die Wissenschafter veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "PLoS One".

Für die Studie wurden 2011 und 2012 vier regelmäßig vandalierenden Elefantenbullen unter Narkose die halben Stoßzähne abgesägt. Tatsächlich sank seither die Beschädigung der Elektrozäune im Lewa Wildlife Conservancy um das sechsfache: Den Bullen fehlten die wichtigsten Werkzeuge, um die Zäune zu durchbrechen. Die erhobenen Daten zeigten aber auch: Nur 13 Prozent der gut 500 Elefanten des Reservats brachen während der Studienphase Zäune nieder. 80 Prozent davon waren Bullen - sie zogen jeweils mit ihren Stoßzähnen, die keinen Strom leiten, so lange an den Drähten, bis sie rissen.

Ambivalente Ergebnisse

Nach dem Entzahnen brachen diese Bullen immer noch Zäune mit den Beinen oder Rüsseln ein, aber deutlich seltener, da sie dabei Elektroschocks in Kauf nehmen mussten, schreiben die Forscher. Sie geben aber zu bedenken, dass ihre Stichprobengröße mit vier Bullen zu klein ist für allgemeine Aussagen. Dennoch würden die Resultate darauf hindeuten, dass das Absägen der Zähne Konflikte zwischen Menschen und Elefanten entschärfen und somit den langfristigen Schutz der Tiere fördern könnte.

Dennoch sei die Methode sehr ambivalent zu bewerten. Denn die Stoßzähne sind für Elefanten ein wichtiges Werkzeug für das Sozialverhalten und die Futtersuche. Bullen demonstrieren damit ihre Stärke und fechten Rivalenkämpfe aus. Das Entzahnen könnte somit dazu führen, das nicht die stärksten Bullen für Nachwuchs sorgen und so einen gesunden Bestand garantieren.

Die Tiere nützen ihre Stoßzähne auch, um Rinde von Bäumen zu schälen, Wurzeln auszugraben oder Mineralien auszugraben. Die Stoßzähne machten Elefanten besonders in der Trockenzeit effizienter in der Futtersuche. Weitere Studien über das Entzahnen seien deshalb geboten. (APA, 13.3.2014)

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