Luftfahrtexperte: Boeing wird vermutlich erst in Wochen gefunden

13. März 2014, 11:57
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Trümmer nur zwei bis drei Meter groß - Verkehrsminister dementiert Bericht über vierstündigen Weiterflug

Kuala Lumpur/Hannover - Auch knapp eine Woche nach dem Verschwinden der Boeing 777 der Malaysia Airlines fehlte am Donnerstag von der Passagiermaschine jede Spur.

Der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt geht davon aus, dass die Suche nach der seit Samstag verschollenen Boeing in Südostasien noch Wochen dauern wird. "Das große Problem besteht darin, dass das vermisste Flugzeug mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über dem Meer abgestürzt ist. Das heißt: Es liegt unter Wasser. Dort breiten sich aber keine Radiowellen aus", sagte Großbongardt der Nachrichtenagentur dpa.

Erschwerend komme hinzu, dass die Trümmer maximal zwei bis drei Meter groß seien, selten mehr, so Großbongardt. Er erinnere sich an keinen Fall in den vergangenen 40 Jahren, bei dem eine große Passagiermaschine so lange verschwunden gewesen sei. Doch auch nach dem Unglück einer Air-France-Maschine im Jahr 2009 habe man schließlich das Wrack auf dem Grund des Ozeans entdeckt. "Die Wahrscheinlichkeit ist also recht hoch, dass auch im Fall der malaysischen Boeing das Wrack gefunden wird." Doch das könne noch drei bis vier Wochen dauern.

"Absolut nicht erklärbar"

"Es gibt keine vergleichbare Situation", sagte Heinz Sommerbauer, Vorstand der österreichischen Flugsicherung Austro Control, im Gespräch mit der APA. "Es gibt viele Ungereimtheiten, jede Menge Theorien, aber kein gesichertes Wissen", meinte Sommerbauer.

Prinzipiell sei es schier unmöglich, dass ein Flugzeug spurlos verschwinden kann, dass alle Sicherungssysteme gleichzeitig versagen. Jedenfalls hätte im Falle eines Absturzes ein Crashsender ein Notsignal gesendet, das von Flugzeugen in der Nähe und von Satelliten aufgenommen worden wäre. An Bord der Boeing 777 gibt es drei Crashsender, erklärte Sommerbauer. Dass diese kein Signal übermittelt haben, sei "absolut nicht erklärbar". Die Sender seien nämlich unzerstörbar, selbst wenn das Flugzeug ins Wasser gestürzt wäre, "genügt der Kontakt mit dem Wasser, dass das Signal automatisch sofort ausgelöst wird".

Kein fünfstündiger Weiterflug

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein wies unterdessen einen Bericht des "Wall Street Journal" zurück, wonach das Flugzeug nach dem letzten Radarkontakt noch vier Stunden und damit tausende Kilometer weiterflog. Vertreter von Boeing und dem Triebwerkherstellers Rolls-Royce, die in Kuala Lumpur bei den Ermittlungen helfen, hätten diese Angaben nicht bestätigt. "Sowohl was Boeing als auch was Rolls-Royce angeht, sind diese Berichte unzutreffend", so der Minister.

Das letzte Signal, das die Unternehmen von der um 0.41 Uhr gestarteten Boeing 777-200 aufgefangen hätten, stamme von 1.07 Uhr am Samstag, sagte Hussein. Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf US-Ermittler berichtet, die Triebwerke des Flugzeugs hätten noch vier Stunden nach dem letzten bekannten Kontakt Daten gesendet.

Laut Hussein ebenso falsch seien Berichte von Donnerstag, wonach chinesische Satelliten Wrackteile entdeckt hätten. In US-Ermittlerkreisen hieß es, bei dem chinesischen Bericht handle es sich um ein Ablenkungsmanöver. Auf der Internetseite einer chinesischen Regierungsbehörde hatte es geheißen, ein Satellit habe drei verdächtige Gegenstände fotografiert, die auf dem Meer trieben. (APA/red, derStandard.at, 13.3.2014)

  • Nach dem verschollenen Flugzeug wird weiterhin gesucht.
    foto: epa/hotli simanjuntak

    Nach dem verschollenen Flugzeug wird weiterhin gesucht.

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