Strompreiskurve zeigt nach unten

12. März 2014, 18:35
25 Postings

Die Industrie profitiert überproportional von den gesunkenen Großhandelspreisen, die Haushalte weniger

Wien - Stromverbrauchern stehen gute Jahre ins Haus, insbesondere, wenn es sich um Industriebetriebe handelt. Die profitieren jetzt schon überproportional von den seit 2008 um gut 40 Prozent gesunkenen Großhandelspreisen. Sie dürften sich zumindest die nächsten zwei, drei Jahre an weiter sinkenden Stromtarifen erfreuen.

Darauf deuten die Future-Notierungen hin: die Preise für Strom zur Lieferung 2016 und 2017 liegen bei 35 Euro je Megawattstunde (MWh). Aktuell kostet Strom im Großhandel 38,5 Euro/MWh.

Während die Industrie aufgrund ihrer Verhandlungsmacht von der Talfahrt der Strompreise profitiert hat, seien die Preisermäßigungen an die Haushalte nur "in homöopathischen Dosen" weitergegeben worden, moniert einmal mehr die Regulierungsbehörde E-Control. Auch wenn man erstmals von ernsthaftem Wettbewerb in Österreich sprechen könne - "es gibt bei den Strompreisen noch Luft nach unten," sagte E-Control-Vorstandsmitglied Martin Graf bei der Präsentation der Jahresbilanz. Sollte sich Deutschland entscheiden, unrentable Gaskraftwerke finanziell zu unterstützen - Stichwort Kapazitätsmarkt - könnten die Großhandelspreise nochmals purzeln, ergänzte Vorstandskollege Walter Boltz. In Österreich sei das kein Thema - "wir haben Reserven genug", sagte Boltz.

VKI-Aktion: 65.000 Verträge

Mit 114.000 gab es im Vorjahr so viele Strom- und Gaswechsler wie noch nie in Österreich. Gemessen an anderen Ländern seien die Wechselraten mit 1,9 Prozent bei Strom und 2,5 Prozent bei Gas aber immer noch bescheiden. Zum Vergleich: IN Deutschland wechselten zuletzt 5,7 Prozent oihren Strom- und 5,5 Prozent ihren Gaslieferanten, in Tschechien waren es 7,5 bzw. 11,9 Prozent. Die E-Control geht nicht zuletzt wegen der erfolgreich laufenden Energiekostenstop-Aktion des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) heuer von einer deutlichen Steigerung der Wechselrate aus.

"Aktuell haben wir 65.000 Wechselaufträge", sagte VKI-Energieexperte Christian Kornherr dem Standard. "70.000 bis 80.000 wäre ein schöner Erfolg." Wie berichtet sind Enamo, Vertriebstochter von Energie AG OÖ und Linz AG, sowie der deutsche Anbieter Goldgas als Sieger aus einer vom VKI initiierten Auktion hervorgegangen. 260.000 Interessenten haben sich registriert. Das Angebot kann noch bis 11. April angenommen werden. (stro, DER STANDARD, 13.3.2014)

Share if you care.