Wanderwege, Warenströme

12. März 2014, 17:54
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Leipzig: Leselust mit Uli Hoeneß und ziehenden Frauen

Gelesen wird nicht nur an der Leipziger Buchmesse, sondern auch im rund 360 Kilometer Luftlinie entfernten Landesgericht München. "Stundenlang, ohne Regung in der Stimme" habe eine gewisse Gabriele H., Steuerfahnderin aus dem bezaubernden Rosenheim, beim Uli-Hoeneß-Prozess Millionensummen vorgelesen. Handeln soll es sich bei den Zahlenreihen um Geld, das der "Vater Teresa vom Tegernsee", wie Kalle Rumenigge Uli Hoeneß einmal nannte, verdient hat.

Der Wurstfabrikant und Präsident des FC Bayern vergaß dann leider, mindestens 27,2 Millionen davon zu versteuern. Während es Vater Teresa offenbar selbst schleierhaft ist, wie man es zulassen konnte, dass er derart viele Steuern hinterzog, ist ein Literaturrechtsstreit hängig.

Wege einer Dame

Heute wird entscheiden, ob einer Klage des Verlags Droemer Knaur gegen ein Buch von Voland & Quist stattgegeben wird. Gestritten wird um den Band Die schönsten Wege der Wanderhure, der sich nicht nur über das "traurige Schicksal der Wanderhuren im Mittelalter" lustig mache, sondern gleich noch die Titelrechte von Droemer Knaurs literarischem Kleinod Die Wanderhure verletze.

Was wer wo versteuert, war auch bei der Eröffnungspressekonferenz der Leipziger Buchmesse ein Thema. Wo zahlt dieses Unternehmen seine Steuern, fragte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, auf einen großen Internethändler anspielend. Nicht zuletzt die mediale Thematisierung dieser Frage habe laut Skipis dazu geführt, dass der Internethandel 2013 erstmals einen Umsatzrückgang und der stationäre Buchhandel leichte Zuwächse (immerhin plus 0,9 Prozent) zu verzeichnen habe.

Apropos Warenströme. Hinter verschlossenen Türen wird in Brüssel gerade eben um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten von Amerika gerungen. Es droht - Stichwort Buchpreisbindung - Ungemach. Börsenvereinchef Skipis sieht für den Kulturbereich "keine einzige Chance, nur Risiken". (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 13.3.2014)

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